Sonntag, Januar 7

[Rezension] Frankenstein: oder Der moderne Prometheus von Mary Shelley

[Anzeige enthält Werbelinks]

Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Manesse Verlag
Erscheinungstermin: 2. Oktober 2017
ISBN-10: 3717523708


Die Faszination des Frankenstein-Mythos ist bis heute ungebrochen. Mary Shelleys spannendes Meisterwerk lotet die Grenzen unserer Fantasie aus und erweckt einen ewigen Traum zum Leben: den Traum von der Erschaffung eines menschenähnlichen Wesens.

Nach Jahren des Experimentierens ist es dem ehrgeizigen Forscher Victor Frankenstein gelungen, aus toter Materie einen künstlichen Menschen zu erschaffen. Doch das Ergebnis seiner alchemistischen Versuche erschüttert ihn bis ins Mark. Entsetzt überlässt er das Wesen seinem Schicksal. Dessen verzweifelte Suche nach Nähe und Akzeptanz endet in Chaos und Verwüstung. Als das Wesen nach und nach Rache an Frankensteins Familie nimmt, beschließt dieser, seine Kreatur zu jagen und zu töten… Das Erstlingswerk einer 19-Jährigen entstand als Gruselgeschichte zum Vorlesen im Freundeskreis. Der jungen Mary Shelley gelang einer der berühmtesten Romane der Weltliteratur, der seit nunmehr 200 Jahren und auch heute noch gültige Fragen zur Verantwortung des Menschen über seine Schöpfung stellt. Zum Jubiläumsjahr veröffentlichen wir eine Übersetzung der Urfassung von 1818.

Mary Wollstonecraft Shelley, die 1797 in London als Tochter einer Frauenrechtlerin und eines Revolutionärs geboren wurde, schrieb im Alter von zehn ihr erstes Buch. Noch keine 17 Jahre alt, brannte sie 1814 mit dem jungen Dichter Percy Shelley durch, den sie schließlich 1816 heiratete. Angeregt durch die Lektüre von Gruselgeschichten entstand ihr erster Roman «Frankenstein», der in seiner Urfassung von 1818 für einen Skandal sorgte und ein großer Erfolg wurde. Nach dem frühen Tod ihres Mannes schrieb Shelley fünf weitere Romane sowie Erzählungen. Sie starb 1851 in London.



Auffallend aber weniger gruselig erscheint das Cover zu Frankenstein. In strahlendem Pink gehalten, darauf eine grünliche (vermutlich von Frankenstein?) Hand, die ein Kärtchen mit dem Autorennamen und dem Buchtitel hält. Schon farblich zieht das Buch die Blicke auf sich, wobei ich bei „Frankenstein“ eigentlich eher weniger an knalliges Pink denke.
Viel aufregender finde ich allerdings die hochwertige Verarbeitung. In kontrastreichem Schwarz sieht man die Bindung, passend dazu das Lesebändchen und das Vorsatzpapier des Buchdeckels. Insgesamt eine wirklich ansprechende Jubiläumsausgabe, die auffällt und modern wirkt.

Den meisten hier wird beim Gedanken an Frankensteins Monster wohl die ein oder andere Film-Adaption oder ein Erscheinen in Zeichentrick oder Kinder-Gruselfilm in den Sinn kommen.
Das mit der eher klischeehaften Darstellung ein gewisses Genre bedient werden sollte, ist klar. Als der Manesse Verlag zum Jubiläumsjahr die Urfassung von 1818 neu herausgebracht hat und in eine handliche und sehr ansprechend gearbeitete Form brachte, konnte auch ich nicht widerstehen und wollte mich vom Frankenstein-Mythos berieseln lassen.

Die Geschichte Frankensteins wird hier von einer Rahmenhandlung eingefasst, in der ein englischer Seefahrer den Forscher Victor Frankenstein von einer Eisscholle aufliest. Dieser erzählt dann über seine Vergangenheit: die Zeit an der Universität, seinen Forschungsdrang, seine Gedanken darüber Tote zum Leben zu erwecken und wie er dies schließlich geschafft hat. Und man erfährt auch, wie die Zeit nach diesem Durchbruch für seine Schöpfung war und was Victor letztendlich auf das Schiff Walton´s brachte.

Dabei bekommt man als Leser durch die wechselnde Ich-Perspektive einen guten Einblick in die Sichtweisen der verschiedenen Beteiligten: Die Robert Waltons, der in Briefen an seine Schwester von der Unterhaltung mit Frankenstein berichtet, die des Wissenschaftlers Victor Frankenstein selber und als dieser auf seine Schöpfung trifft, wechselt die Erzählweise in seine Perspektive.

Dies sind nur einige wenige Stichpunkte einer Geschichte, die ihr größtes Grauen nicht in der Wiederbelebung eines Toten findet sondern vielmehr in der Erschaffung eines Monsters durch die Ablehnung und Verachtung der Gesellschaft. Das Mary Shelley damit eines der bedeutendsten Bücher verfasst, deren Inhalt noch heute zeitgemäß ist und zum Nachdenken animiert hätte wohl niemand erahnen können. Denn dies war keines Wegs so geplant. Die Autorin schrieb das Buch ursprünglich als Geschichte, die beim Vorlesen im Freundeskreis für Gruselstimmung sorgen sollte.

Neben der Handlung konnte mich Shelley aber auch mit ihrem Schreibstil fangen. Die detaillierten Beschreibungen der Umgebung zum Beispiel konnten mich richtig in die Landschaften entführen und auch die Wortwahl ist sehr angenehm und versprüht einen ganz eigenen Charme ohne zu altbacken oder verschnörkelt zu sein.

Vor 200 Jahren geschrieben könnte dieses Buch nicht aktueller sein.

Ich habe das Buch sehr genossen, habe es in einem Rutsch ausgelesen und kann es nur weiter empfehlen, denn dies ist kein verstaubter Klassiker, der lange grübeln lässt, worum es eigentlich geht. Es ist ein niedergeschriebener Spiegel, der in einer Zeit zwischen fortschreitender Forschung, Andersartigkeit und gesellschaftlichem Druck vorgehalten wird und so manche aktuelle Frage aufwirft.


Kommentare:

  1. Hi Steffi,
    So eine schöne Rezension. Ich muss sagen ich finde das Cover bombastisch!
    Das Buch steht auf meiner Klassiker-Leseliste. Ich will es unbedingt bald lesen.
    Deine Rezension hat mich noch bestärkt dass ich das nicht mehr lange aufschiebe.
    Ich wünsche dir eine grandiose Woche.
    Fühl dich gedrückt.
    Nadine

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    1. Hallo Nadine :-)
      Dankeschön :-* Also wenn Frankenstein schon auf deiner Klassiker-Leseliste steht, dann hoffe ich umso mehr, das du dir bald eine tolle Zeit mit dem Buch machst. Und wenn, lass mich unbedingt wissen, wie es dir gefallen hat.
      Ganz liebe Grüße
      Steffi

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