Mittwoch, Oktober 25

[Rezension] Der Himmel über Quickborn von Kirstin Messerschmidt

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Taschenbuch: 396 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Erscheinungstermin: 7. September 2017
ISBN-10: 1548212741


Seit sie denken kann, leidet die 15-jährige Olivia „Liv“ Ballato an unkontrollierbaren Wutausbrüchen. Ihr Temperament macht sie zur Außenseiterin. Gegen die Einsamkeit unterhält Liv eine imaginäre Liebesbeziehung mit Rockstar Kurt Cobain. Als die Familie von der Großstadt ins dörfliche Quickborn umzieht, wird Livs Dasein schier unerträglich: Ein wütender Teenager zwischen Schweinebauern, Dorfnazis und neureichen Snobs. Und dann stirbt auch noch Kurt. Es gibt für Liv nur einen einzigen Grund, noch am Leben zu bleiben, ihren Lehrer Marc. Zwischen Liv und dem zwanzig Jahre älteren Mann entwickelt sich eine geheime Liebe.

Kirstin Messerschmidt, geb. 1981, ist in Schleswig-Holstein aufgewachsen und begann ihre berufliche Laufbahn in einem Rechtsanwaltsbüro. Im Alter von 20 Jahren verließ sie ihre geliebte Heimat und ging nach London, um dort für den Musiksender MTV zu arbeiten. Seit 2005 lebt sie in Berlin und ist Musikredakteurin für MTV und VIVA. Geschrieben hat sie schon immer, jedoch meistens unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Beim ehemaligen Satiremagazin ZYN! ließ sie es zwar höchst öffentlich, aber leider unter falschem Namen krachen. Winterblut ist ihr erster Roman.



„Typisch 90er“ denkt man sich schmunzelnd, wenn man das Cover zu „Der Himmel über Quickborn“ betrachtet. Das Mädchen, das mit dem Rücken zum Betrachter auf der Motorhaube eines Autos sitzt trägt ein Oberteil eines Trainingsanzuges in hellblau, das so oder so ähnlich bestimmt viele im Kleiderschrank hatten. Im unteren Drittel ist auf blau unterlegtem Grund der weiße Titel zu finden. Alles in allem recht unaufgeregt, ein klein wenig altbacken vielleicht, versetzt aber direkt wieder in die 90er Jahre und ist damit absolut passend zum Buch.

Liv ist ein jugendliches Mädchen, das mitten in den Neunzigern aufwächst. Sie hat mit vielen Problemen zu kämpfen, die zum Teil auch stark über die eines normalen Teenagers hinaus gehen. Ihre Familie, insbesondere ihre Mutter macht ihr das Leben nicht grade einfach und so zieht sich die Heranwachsende immer mehr in sich und in ihre erfundene Liebe zu Kurt Cobain zurück. Nach außen reagiert sie mit Agression, was von ihrer Umwelt auch nicht grade positiv aufgenommen wird.
Mitten in dem ganzen Trubel zieht die Familie nach Quickborn, was für Liv einen Schulwechsel zur Folge hat. Wer selber mal an seine Schulzeit denkt oder eventuell selber einmal einen Schulwechsel durch Umzug hinter sich gebracht hat, weiß, dass das Mädchen um diese Erfahrung nicht unbedingt zu beneiden ist.

Liv selber ist ein toller Charakter. Sie ist taff und versucht sich trotz all der wideren Umstände in ihrer Familie ihren Weg zu bahnen. Das sie der Tod des geliebten Sängers völlig aus der Bahn wirft war zu erwarten. Nun fehlten die Tagträume, in die sie sich so gerne vor der Realität geflüchtet hatte. Ihr Lichtblick ist Lehrer Marc, mit dem sie recht schnell eine Beziehung hat. Moralisch komplett verwerflich aber für Liv eine Stütze in der Trauer um den Nirvana-Frontman.

Marc ist ein ehr unkonventioneller Lehrer, der -mal abgesehen davon, das er eine Beziehung mit einer minderjährigen Schülerin beginnt- keinen guten Einfluss auf das Mädchen hat und sich im Laufe der Geschichte auch nicht damit rühmen kann mehr Sympathie zu gewinnen.

Der Schreibstil den die Autorin an den Tag legt ist enorm angenehm. Sauber formuliert, ohne dabei auf typische Ausdrücke der Zeit zu verzichten. Die Situationen im Buch sind spannend geschrieben ohne dabei reißerisch oder wertend zu sein. Alles in allem eine gute Grundlage um für jedes Alter ansprechend zu sein. Ob man jetzt selber ein „Kind der Neunziger“ war oder nur die Geschichte rund um Liv und ihre Beziehung zu dem Lehrer dafür gesorgt haben, dieses Buch in die Hand zu nehmen, Messerschmidt wird allen gerecht.

Auf zwei der Charaktere bin ich ja schon näher eingegangen. Wie man schon an diesen beiden sehen kann, polarisieren auch die übrigen Personen in „Der Himmel über Quickborn“. Dabei sind sie so eingängig in ihrer Art, das man schon nach wenigen Seiten ein Gefühl für sie bekommt und sich schnell Sympathie oder Antipathie ausprägen. Schön finde ich, das gezeigt wird, das sich alle in ihrer Persönlichkeit entwickeln. Oftmals wird dieses Augenmerk lediglich auf den Protagonisten gelegt, während andere ehr starr bleiben. Hier ist es sehr authentisch dargestellt, wobei ich nicht jede Entwicklung gut heiße oder gar verstehe.

Obgleich das Buch mit 396 Seiten nicht extrem kurz ist, hätte ich mir an einigen Stellen gewünscht, das sich die Autorin ein wenig mehr Zeit lässt. Manches ist mir persönlich zu schnell gegangen und auch das Ende des Buches hätte mit der ein oder anderen Seite zum Ausdehnen vielleicht ein bisschen angenehmer daherkommen können. Was auf keinen Fall bedeuten soll, das es so wie es jetzt ist schlecht ist. Ich hätte nur gerne mehr von der Entwicklung erfahren.

Ein tolles Buch, das nur rein oberflächlich gesehen eine Geschichte über eine verbotene Liebe ist und die, bei näherer Betrachtung, viel mehr Themen behandelt als das offensichtliche Tabu. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und ich hoffe auf weitere Bücher aus der Feder Kirstin Messerschmidt´s.


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