Donnerstag, November 29

[Rezension] Die Tyrannei des Schmetterlings von Frank Schätzing


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Audio CD Ungekürzte Lesung
Verlag: der Hörverlag
Erscheinungstermin: 30. April 2018
ISBN-10: 3844531084

Die vollständige Lesung als nachleuchtende Deluxe Edition mit exklusivem Bonusmaterial von Frank Schätzing. Exklusiv im Booklet: Skizzen und Reisetagebuch des Autors.

Kalifornien, County Sierra, Goldgräberprovinz: Sheriff Luther Opoku hat mit Kleindelikten und illegalem Drogenanbau zu kämpfen. 300 Meilen westlich davon, im Silicon Valley, wetteifern IT-Visionäre um die Erschaffung des ersten ultraintelligenten Computers mit dem Ziel, die großen Probleme der Menschheit zu lösen. Als eine Biologin in Sierra unter rätselhaften Umständen ums Leben kommt, muss Luther erkennen, dass sein verschlafenes Naturidyll längst Testgelände eigenwilliger Experimente geworden ist. Bald beginnt er an seinem Verstand zu zweifeln. Tote werden lebendig, die Zeit gerät aus den Fugen ... der Anfang einer Odyssee über die Grenzen des Vorstellbaren hinaus.

Seinen Durchbruch feierte Frank Schätzing 2004 mit dem Ökothriller „Der Schwarm“, in dem die Menschheit existenziell bedroht ist durch eine hochintelligente Lebensform, die tief unten im Meer lebt. Seither gilt der 1957 geborene Kölner als einer der erfolgreichsten deutschen Autoren. Zuvor war Frank Schätzing in der Werbebranche tätig, außerdem produzierte er Musik. Seit den 1990er-Jahren konzentrierte er sich aber zunehmend auf die Schriftstellerei. Zunächst veröffentlichte er 1995 „Tod und Teufel“, der Roman spielt im Köln des Jahres 1260. Weitere Bücher folgten, der erste Bestseller gelang Schätzing im Jahr 2000 mit dem Politthriller „Lautlos“. 2009 erschien „Limit“, ein weiterer Zukunftsthriller, in dem es diesmal nicht hinab ins Meer, sondern hinauf auf den Mond geht.
Das ein Cover gefällt kommt sicher häufig vor. Klar! Aber das es ein Cover gibt, das ich mir auch als Bild an die Wand hängen würde kommt nun nicht so häufig vor.
Schätzings Cover zu „Die Tyrannei des Schmetterlings“ ist ein abstraktes Konstrukt aus Kreisen, Farben und Formen auf dunklem Untergrund. Darauf in Weiß gehalten Titel und Autorenname sowie andere Informationen.
Wirklich gelungen und ein sehr interessantes Cover.

„Schätzing“ auf dem Cover zu lesen ist für mich eigentlich eine sichere Bank. Ohne mich groß durch den Klappentext zu lesen habe ich mich direkt in die Geschichte fallen lassen.
Es geht um Luther, der als Sheriff in seiner Stadt unweit des Silicon Valley für Ruhe und Frieden sorgt.
Als eines Tages eine Biologin ums Leben kommt, fängt sich sein ganzes Leben an auf den Kopf zu drehen. Er findet sich in einer Welt rund um künstliche Intelligenz, Parallelwelten und deren Bewohnern wider und erkennt, das er selbst bald nicht mehr entscheiden kann, was real ist und was nicht.

Ich würde hier am liebsten noch so viel zum Inhalt schreiben, doch würde es viel von der Spannung und den Ereignissen vorweg nehmen. Ich habe mich das ein oder andere Mal gewundert, wie alles zusammen hängt und wie man das alles letztendlich erklären kann.
Und so war nicht nur der Handlungsverlauf sondern auch die dadurch aufkommenden Fragen an mich selber extrem interessant. Wie würde ich mich in dieser Situation entscheiden? Was wäre für mich Real? Kann man an einem bestimmten Punkt im Leben neu anfangen und es „besser“ leben?

Zugegeben, zwischendurch hatte ich das Gefühl die Geschichte schon einmal gelesen/gesehen zu haben. Vielleicht weil ich gerne Bücher in diese Richtung lese oder Serien mit Parallelwelt-Charakter anschaue. Dennoch konnte mich „Die Tyrannei des Schmetterlings“ nicht nur unterhalten sondern regelrecht fesseln.

Besonders in Passagen, die ein wenig im Tempo gedrosselt sind merkt man wie wunderbar plastisch Schätzing schreiben kann. Mir haben seine Umgebungsbeschreibungen hier besonders gut gefallen, da man diese wirklich vor seinem inneren Auge aufleben lassen kann.
Geht es für den Protagonisten grade heiß her, zieht Schätzing so gekonnt an, das man beim Lesen selber außer Atem gerät. Großartig!

Die Charaktere sind interessant, typisch und bei allem, was einen „normalen Menschen“ ausmacht toll beschrieben. Besonders Luther, mit dem man Höhen und Tiefen seines Lebens erlebt wirkt plastisch und entwickelt sich in realistischem Maße weiter.
Diese glaubhaften Personen machen eine Thematik, die -zumindest heutzutage- noch unwirklich ist wesentlich greifbarer und erlauben sich somit gut mit den o.g. Fragen auseinander setzen zu können.

Schätzing war für mich eine Bank und ist es auch weiterhin. „Die Tyrannei des Schmetterlings“ ist großartig und konnte mich komplett überzeugen.





Sonntag, November 25

[Rezension] Fallende Stadt von Lauren DeStefano


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Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: cbt
Erscheinungstermin: 10. April 2018
ISBN-10: 9783570311998

Die schwebende Stadt Internment ist ein Paradies über der Erde – und ein gefährliches Gefängnis…

Morgan Stockhour lebt gemeinsam mit ihrer Familie, ihrer besten Freundin Pen und ihrem Verlobten Basil auf der schwebenden Stadt Internment. Noch nie hat sie die streng geschützten Grenzen ihrer Heimat überschritten. Doch dann geschieht ein Mord, der erste seit einer Generation. Auf einmal stellt Morgan die Regeln von Internment infrage - und ist völlig unvorbereitet auf das, was sie erwartet

Lauren DeStefano wurde in New Haven, Connecticut geboren und war ihr ganzes Leben lang an der Ostküste zuhause. Sie absolvierte ihren Bachelor-Abschluss am Albertus Magnus College im Fach Kreatives Schreiben. Ihre Chemical Garden-Trilogie wurde zum New York Times-Bestseller.
Das Titelbild zu „Fallende Stadt“ ist absolut nach meinem Geschmack. Der Hintergrund schwarz, darauf fast schon leuchtend eine Art Wolke aus Sternen, die eine Stadt trägt und den Eindruck macht, als würde sie im All schweben.
Der Autorenname und Buchtitel sind in relativ großen, einfachen Lettern gehalten und lassen Raum für das imposante Stadtbild.

Da mich der Klappentext schon sehr neugierig gemacht hat, bin ich mit relativ hohen Erwartungen an die Geschichte herangegangen.
Es geht um Morgan, die in der schwebenden Stadt Internment lebt. Mit der Einführung in Internment und ihre Lebensweise lernt man das Mädchen kennen und obwohl sie auf mich vorerst einen eher naiven Eindruck macht, fand ich sie direkt sympathisch.
Auch die Welt, ihren Aufbau und den Alltag darauf fand ich äußerst interessant und sie bietet die Möglichkeiten tolle Geschichten zu spinnen.

Im Laufe der Geschichte entwickelt sich Morgan sehr positiv. Man blickt mehr hinter ihre Gedanken und die anfängliche Meinung, sie könnte leicht naiv sein, verflüchtigte sich doch noch und ich mochte ihre Art, Dinge zu hinterfragen und nicht alles so aufzunehmen, wie sie es serviert bekommt.
Auch ihre Familie und ihre beste Freundin spielen eine große Rolle in „Fallende Stadt“. Von allen Charakteren bin ich positiv überrascht und habe mich gefreut, das sie eine eigene Entwicklung haben, ohne die Grundstory zu sehr zu verwässern.

Das Lauen DeStefano hier ein intelligentes Jugendbuch verfasst hat merkt man an vielen Kleinigkeiten: Den unterschwelligen Denkanstöße, Moralansichten und das Hochhalten von Freundschaft und Loyalität. Gesellschaftskritisches wird vorsichtig und ein wenig seichter für die Zielgruppe angepasst, was mir in Zusammenspiel mit den Charakteren gut gefallen hat.

Ebenso verhält es sich mit dem Schreibstil, der keineswegs schlecht oder einfach ist, für die erwachsene Zielgruppe nur hätte noch ein wenig ausgereifter sein können. Die Geschichte ist spannend erzählt und die ganze Welt zu erkunden macht absolut Spaß.

Da dies der Auftakt einer Trilogie ist, hoffe ich Spannung und Raffinesse sowie die Charaktere werden sich noch weiter entwickeln, da ist definitiv noch Luft nach oben.

Eine spannende Welt, eine gute Geschichte und interessante Charaktere. Fallende Stadt macht Spaß und macht Hoffnung auf Steigerungen in den folgenden Bänden. DeStefano hat mich gut unterhalten können und ich empfehle jedem einen Blick, der interessante und intelligent geschriebene Jugendbücher mag.



[Rezension] The woman in the window von A. J. Finn


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Broschiert: 544 Seiten
Verlag: Blanvalet Verlag
Erscheinungstermin: 19. März 2018
ISBN-10: 3764506415

Anna Fox lebt allein. Ihr schönes großes Haus in New York wirkt leer. Trotzdem verlässt sie nach einem traumatischen Erlebnis ihre vier Wände nicht mehr. Anna verbringt ihre Tage damit, mit Fremden online zu chatten, zu viel zu trinken – und ihre Nachbarn durchs Fenster zu beobachten. Bis eines Tages die Russels ins Haus gegenüber einziehen – Vater, Mutter und Sohn. Bei dem Anblick vermisst Anna mehr denn je ihr früheres Leben, vor allem, als die neue Nachbarin sie besucht. Kurze Zeit später wird sie Zeugin eines brutalen Überfalls. Sie will helfen. Doch sie traut sich nach wie vor nicht, das Haus zu verlassen. Die Panik holt sie ein. Ihr wird schwarz vor Augen. Als sie aus ihrer Ohnmacht erwacht, will ihr niemand glauben. Angeblich ist nichts passiert

A. J. Finn hat für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften geschrieben – u.a. für die »Los Angeles Times«, »Washington Post« und das »Times Literary Supplement (UK)«. Er ist in New York geboren, hat aber zehn Jahre in England gelebt, bevor er nach New York zurückkehrte. Sein Debütroman »The Woman in the Window« sorgte vor Veröffentlichung weltweit für Furore, wird in 38 Sprachen übersetzt und derzeit von Fox verfilmt.

Typisch Thriller ist das Cover schwarz. Abgebildet ist in knalligem rot und blau eine angedeutete Jalousie und natürlich der Buchtitel. Ich mag es, da es eine gewisse Stimmung vertritt aber an sich nichts verrät.

Anna nimmt nach einem traumatischen Ereignis nicht mehr richtig am Leben teil. Sie verlässt das Haus nicht, leidet unter anderem unter Depressionen und sucht einen Teil der Normalität im Internet, wo sie anderen Menschen in ihrer früheren Tätigkeit als Kinderpsychologin hilft. Sie trinkt viel zu viel und erlebt die Außenwelt durch ihre Fenster, indem sie ihre Nachbarn beobachtet.

Als nebenan die Russels einziehen passiert wieder etwas vor Annas Fenster. Als sie bei ihren Beobachtungen eines Tages Zeugin eines gewalttätigen Überfalls wird überwältigen sie die Gefühle und sie wagt den Schritt nach draußen.
Kurz darauf wacht sie im Krankenhaus wieder auf.

Anna ist nun auch nicht die typische Protagonistin. Ihrem hohen Alkoholkonsum und der scheinbar wahllosen Einnahme von Medikamenten ist es wohl zum einen zu schulden, das ihr im Krankenhaus niemand glaubt. Zum anderen fing ich als Leser aber auch an zu zweifeln, ob das, was ich da lese nicht vielleicht doch nur ein Hirngespinst aus Alkohol und Medikamenten ist.
Letzteres macht die Geschichte allerdings recht spannend und interessant. Man denkt hin und her und versucht zwischen den Zeilen die passenden Hinweise zu finden.

Auch wenn ich finde, hier und da haben sich ein paar Längen eingeschlichen, welche den Spannungsbogen zu sehr gezogen haben, hat der Autor gute Arbeit geleistet. Mir hat gefallen, wie er eine fast schon unsympathische Protagonistin schafft, mit der man trotzdem irgendwie mitfiebert, die man verstehen kann und die trotz ihrer vielen Probleme menschlich wirkt.
Sie ist nicht wie aus dem Bilderbuch und auch nicht so, wie ich eine Hauptperson gerne hätte und hat mich doch fasziniert. Vielleicht weil sie eben genauso ist, wie sie ist.

Auch sprachlich muss sich Finn nicht verstecken. „The woman in the window“ liest sich gut und flüssig und macht bis auf die Längen an einigen Stellen wirklich Spaß.

A.J. Finn hat ein ordentliches Debüt geschrieben, das mit einer vielschichtigen Protagonistin und einer guten Geschichte überzeugen konnte. Freunde von spannenden Romanen können hier definitiv schöne Lesestunden finden.



[Rezifight] Wie man die Zeit anhält von Matt Haig


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Gebundene Ausgabe
384 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungstermin: 20. April 2018
ISBN-10: 3423281677
MP3 CD
Ungekürzte Lesung 9h 31min
Verlag: der Hörverlag
Erscheinungstermin: 23. April 2018
ISBN-10: 9783844528961

Wenn Liebe die Zeit besiegt.
Keiner lehrt Geschichte so lebendig wie er ‒ und das hat einen guten Grund: Tom Hazard, Geschichtslehrer und verschrobener Einzelgänger, sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Er hat die Elisabethanische Ära in England, die Expeditionen von Captain Cook in der Südsee, die Literaten und Jazzmusiker der Roaring Twenties in Paris erlebt und alle acht Jahre eine neue Identität angenommen. Eines war er über die Jahrhunderte hinweg immer: einsam. Denn die Nähe zu anderen Menschen wäre höchst gefährlich gewesen. Jetzt aber tritt Camille in sein Leben. Und damit verändert sich alles.

Auf den ersten Blick fand ich das Cover nicht so ansprechend. Man sieht einen Mann, in einer riesigen Uhr liegen, mittig auf dem Cover erscheint der Buchtitel. Dominierend sind hier Blautöne, was zwar schön aber leider auch ein wenig unscheinbar wirkt.

Auch wenn mich das Cover nicht packen konnte, der Klappentext konnte es um so mehr. Besonders Geschichten über die Zeit, Zeitreisen, Wahrnehmung über Zeit usw. interessieren mich grade sehr und so packte mich schnell die Leselust.

Als Leser wird man durch den Protagonisten Tom durch sein Leben geführt. In der Gegenwart lernt er Camille kennen, ist auf der Suche nach seiner Tochter und da gibt es noch immer die Tatsache, das er über 400 Jahre alt ist und sich regelmäßig alle 8 Jahre neu erfinden muss, damit es den Menschen um ihn herum nicht auffällt, das er äußerlich nicht zu altern scheint.

Immer wieder gibt es Rückblicke in sein langes Leben, zu besonders prägnanten Wendepunkten in seinen vielen Identitäten. Man lernt seine Sicht auf die Welt kennen, lernt Bekannte, Gleichgesinnte und Familie von ihm kennen und beginnt durch diese Rückblicke zu verstehen, warum er ist, wie er ist.

Besonders prägend finde ich das Verhältnis, das er zu seinem „Mentor“ hat, da es im Laufe des Buches für einige Überraschungen sorgt und auch das Ende der Geschichte mitgestaltet.

Erzählerisch ist das Buch wirklich angenehm gestaltet. Nicht reißerisch oder erzwungen wird das Leben von Tom beleuchtet. Mich erinnerte das stark an die Oma oder Opa, der von Früher erzählt. Alles spitzt sich zum Ende zu, wo es sehr überraschende Wendungen gibt, die alles noch einmal in anderes Licht setzen.
Auch sprachlich fühlt man sich direkt in ein Gespräch mit Oma/Opa zurück versetzt. Ein wunderbar leichter, doch emotionaler und angenehmer Stil sorgt für Wohlfühlcharakter und macht das Leseerlebnis rund.

Leider muss ich sagen, das mir zu „der perfekten Geschichte“ noch ein paar Kapitel gefehlt haben. Ich hätte gerne auch von anderen wichtigen Charakteren erfahren, warum sie so gehandelt haben und was sie dazu brachte sich für diese besondere Richtung zu entscheiden. Wie hat ihr Leben wohl ausgesehen? Grade weil Toms Leben doch so detailliert dargestellt wird und man ihn so verstehen kann fehlt mir dies bei anderen, was -grade im Hinblick auf das Ende- doch einiges zu überschnell erscheinen lässt.

Wie war nun mein Gesamteindruck von „Wie man die Zeit anhält“? Positiv! Ich mochte Erzählstil, den Roten Faden der Geschichte und fand Tom als Protagonist wunderbar. Dies ist eine Geschichte, die ohne viel Effekthascherei auskommt und die zu lesen einfach Freude gemacht hat.




In der Geschichte geht es um einen Mann der alt ist. Nicht ein bisschen sondern Methusalem-alt.
Wenn man nun ein paar Jahrhunderte hinter sich hat wird das Leben auch nicht einfacher. Zumindest nicht für Tom Hazard, den Protagonisten dieser Geschichte. Wenn man älter wird als andere hat man immer mindestens ein Problem. In diesem Fall hat er gleich mehrere. Wie erklärt man, warum man schon immer in dem selben Haus gewohnt hat und immer noch aussieht wie vor Jahrzehnten? Wie verkraftet man, das um einen herum die Menschen nach und nach sterben? Freunde, Familie, die große Liebe. Alle nicht mehr da. Man wird einsam mit der Zeit und verzichtet mehr und mehr auf nähere soziale Kontakte und lebt für sich. Alleine! Es sei denn man hat andere die mit einem alt werden. Die genau so sind wie man selbst. Aber sind sie wirklich deine Freunde? Wollen sie dein Bestes? Was macht es aus Menschen wenn sie ewig alt werden. Was will man wenn man alles schon gesehen und erlebt hat? Genau dieser Frage stellt sich Tom Hazard. Nicht ganz freiwillig und auch nicht erst seit gestern. Eigentlich stellt sich ihm diese Frage schon immer. Und die wichtigste Frage: wofür soll man Jahrhunderte existieren wenn man nicht Leben kann?

Das Hörbuch startet mit einer Rückblende. Da es aus der Sicht Toms beschrieben wird ist man Q
quasi in seinem Kopf. Und er lässt einen an seinen Gedanken und Erinnerungen, so wie dem aktuellen Geschehen teilhaben. So ist man mitten drin und bekommt einen guten Überblick. Im Grunde verläuft die Geschichte linear. Jedoch ist es wie bei einem selbst: verschiedenste Dinge und Ereignisse triggern einen und man schweift ab oder hat plötzlich Erinnerungen und schwelgt im Vergangenen. Das passiert Tom Hazard auch immer wieder. So folgt man seinem Leben kreuz und quer durch die Jahrhunderte. Was mich fasziniert hat war, das ich dabei nie den Überblick verloren habe obwohl ich Hörbücher hauptsächlich beim Autofahren höre.

Trotz der verschiedenen Zeiten und Ereignisse verliert das Hörbuch nicht seine inhaltliche Konsistenz und bringt alles zu einem Strang zurück.

Das Buch ist vom Ausdruck eher Umgangssprachlich was auf Grund der ich-Perspektive auch logisch erscheint. Die Hauptperson ist halt eher ein einfacher Charakter. Was sprachlich fehlt wird aber durch detaillierte Schilderungen kompensiert, was eine schöne Tiefe verleiht. Die charakterliche Entwicklung von Tom ist auch recht flach gehalten. Was aber nach meiner Meinung auch der Geschichte geschuldet ist. Wie soll sich jemand nach 400 Jahren noch grundlegend ändern? Aber auch hier hält die Geschichte noch die ein oder andere Überraschung bereit.
Das einzige was ich bemängeln würde ist das am Ende der Anschein erweckt wurde als wenn der Anspruch des Autors gelitten hat. Was vorher detailliert ausgeformt und bildhaft beleuchtet wurde überschlägt sich ein wenig und verliert sich in den Ereignissen. Auf einmal sind Dinge einfach so wie sie sind und Personen Handeln einfach ohne vorher in die Ereignisse richtig integriert worden zu sein. Dort hatten zwei drei Kapitel mehr sicherlich gut getan.

Auch in diesem Hörbuch gibt es jemanden der es Vorliest. Und da muss ich sagen das ich in diesem Fall Vorurteile gegenüber dem Sprecher hatte: Christoph Maria Herbst ist schließlich kein Unbekannter.
Ich dachte erst, wie soll das funktionieren, wenn Stromberg eine Geschichte vorliest? Ich kann nur sagen: Wirklich hervorragend!
Ich war sehr überrascht wie viel Tiefe Christoph Maria Herbst dem Protagonisten und der Geschichte verleiht. Auch wenn diese Stimme bekannt ist, bekommt man keiner Assoziationen zu Stromberg und CO oder erwartet eine punktierte Pointe. Man hat immer die Geschichte vorm inneren Auge, wodurch Tom Hazard ein Gesicht bekommt welches man nur schwer wieder los wird.
Ich hätte nicht erwartet das seine warme Stimmfarbe eine wohlig Atmosphäre schafft und einen vollends mit nimmt.
Ich fand die „Wie man die Zeit anhält“ und auch dessen Präsentation gelungen. Es ist keine große Geschichte oder Weltliteratur aber sehr unterhaltsam. Grade als Hörbuch nochmals mehr aufgrund des Sprechers.
Geeignet halte ich das Hörbuch für Jugendliche bis hin zum Rentner.
Die Geschichte spielt zwar im heute so wie im gestern als auch im morgen und ist letzten Endes doch von der Zeit losgelöst. Wie man die Zeit wirklich anhält wird nicht verraten aber beim Hören fühlt man sich so als hätte man es trotzdem für einen Moment getan.



Hallo aus dem Exil




lange gab es auf diesem Blog nichts neues und hiermit melde ich mich offiziell zurück.


Doch warum gab es diese lange Auszeit?
Bücher und auch Hörbücher waren auch weiterhin Teil meines Lebens und werden es ganz sicher auch noch sehr sehr lange bleiben.
Vom Bloggen abgehalten hat mich schlicht und ergreifend die DSGVO und alles, was damit zu tun hat. Hier und da und überall wird man überrannt und ich für meinen Teil habe mich versucht sehr gut zu informieren. Zumindest bis mir die ganzen Informationen über den Kopf gewachsen sind und ich meinen Blog zum X-ten mal überarbeitet habe und dann vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr gesehen habe.

Jetzt, mit ein wenig Abstand fehlt mir mein Blog, der Austausch mit euch und die Gespräche über Bücher und Autoren.
Auch die DSGVO hat ein wenig ihren Schrecken verloren. Die Informationen, die man bekommt bündeln sich mehr und ich habe wieder einen besseren Durchblick.

Als kleine Neuerung findet ihr meinen Blog ab jetzt auch unter www.happybooktime.de. Wenn ihr mir dort folgen möchtet, könnt ihr das per E-Mail oder auch per Bloglovin >>HappyBooktime auf Bloglovin<< , Facebook >>HappyBooktime auf Facebook<< und Instagram >>HappyBooktime auf Instagram<< machen.

Ich würde mich sehr freuen, den ein oder anderen von euch auch als Follower dort begrüßen zu dürfen.

Da ich noch ein paar Rezensionen fertig habe, kommen die heute und in den nächsten Tagen ziemlich gebündelt, bevor ich euch wieder mit interessanten Neuerscheinungen versorgen darf. Es wird spannend :-)

Verratet mir doch, wie ihr die DSGVO aufgenommen habt und ob ihr viele Veränderungen in der Bloggerwelt bemerken konntet.

Montag, Mai 21

[Rezension] Hochzeitskollektion „All you need is love“ von Susanne Rademacher


[Anzeige enthält Werbelinks]

Stilvoll heiraten: Mein Weddingplaner
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Verlag Herder
Erscheinungstermin: 20. März 2018
ISBN-10: 3451381184

Unsere Lovestory
Gebundene Ausgabe: 120 Seiten
Verlag: Verlag Herder
Erscheinungstermin: 20. März 2018
ISBN-10: 3451381273


Da es sich hier um zwei Bücher und ein Postkartenheftchen der Hochzeitskollektion handelt, möchte ich hier nicht Seiten-lange Klappentexte zitieren. Einen tollen Einblick könnt ihr euch auf der Blogseite der Autorin verschaffen. 

Susanne Rademacher zählt mit ihrem Blog zu den erfolgreichsten Hochzeitsbloggerinnen Deutschlands. Die Kommunikationsexpertin und Autorin ist begeisterte Brautflüstererin, selbst verheiratet und seit kurzem Mutter! Sie wohnt mit ihrer Familie im Süden von Hamburg.

Frisch und stilvoll zeigen sich die Bücher dieser Kollektion. Das in frühlingshaftem Hellblau gehaltene Erinnerungsbuch ist ebenso wie der in Rose gehaltene Weddingplanner mit goldener Prägung beschriftet und macht so einen sehr wertigen Eindruck.
Das Postkartenheftchen ist optisch ein wenig einfacher gehalten und mit einem Kussmund-Print und weißer Schrift verziert.
Spätestens seit der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan wissen wir alle: Hochzeiten sind wunderschön und planungsintensiv.
Die eigene Hochzeit ist noch einmal etwas ganz anderes. Und da die meisten nicht viel Routine in der Hochzeitsplanung haben, gibt es eine Menge mehr oder weniger nützlicher Helfer, um am Tag der Tage nicht über unschöne Überraschungen zu stolpern.

Vom Herder Verlag habe ich die Möglichkeit bekommen, mir die Hochzeitskollektion von Susanne Rademacher einmal genauer anzuschauen und so wurden mir „Unsere Lovestory“, „Stilvoll heiraten: Mein Weddingplaner“ und das schicke Postkartenheftchen zugesendet.

Die Farben und die tolle Verarbeitung der Bücher macht direkt Frühlingslaune. Sie sind bunt, fröhlich aber dennoch nicht überladen und wirken sehr stilvoll.
Das innere der Bücher ist sehr liebevoll aufgemacht. Man sieht kleine Zeichnungen und auch die Überschriften bzw. Kapitel-Trennseiten sind modern und mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt.

„Stilvoll heiraten: Mein Weddingplaner“ ist meiner Meinung nach eine wunderbare Hilfe für jede Hochzeit. Locker geschrieben führt dieses Buch von den ersten Ideen bis zu konkreten Konzepten. Besonders hilfreich finde ich gleich zu Anfang den Zeitplan, an dem man sich gut orientieren kann. Er zeigt wie weit im Voraus man sich um die verschiedenen Dinge kümmern sollte, damit nichts stressig oder gar unmöglich wird.

Bis zum Hochzeitscountdown am Ende des Buches, findet man nützliche Tipps für das perfekte Hochzeitskleid, Junggesellenabschiede, Sitzordnungen und vieles vieles mehr. Dabei ist genug Platz für die eigenen Notizen und Listen.
So hat man seine Planung komplett beieinander und kann dieses ausgefüllte Buch als Erinnerung an diese Zeit immer wieder hervorholen.

„Unsere Lovestory“ ist hingegen ein Buch, das die gemeinsame Zeit feiert. Wo vorheriges Buch speziell um die Hochzeitsplanung kreist ist es hier etwas individueller. Gemeinsame Erinnerungen können festgehalten werden, Fotos eingeklebt oder andere Erinnerungsstücke aufbewahrt werden.
So bietet sich „Unsere Lovestory“ auch super als Hochzeitsgeschenk oder als Präsent zum Jahrestag oder Ähnlichem an.

Auf vorgefertigten Seiten werden unzählige Ereignisse in der Beziehung angesprochen und dazu angeregt seine Gefühle nieder zu schreiben. Wie hat man sich beim ersten Sehen gefühlt? Wie war das erste Date? Der erste Kuss? Und wie kam es zum Heiratsantrag?
Die Eindrücke können von beiden Partnern aufgeschrieben werden und sind so für lange Zeit eine tolle Erinnerung.
Das Buch läd zum gemeinsamen lachen, in Erinnerungen schwelgen und überlegen an und sorgt mit den letzten Seiten dafür es regelmäßig aus dem Schrank zu nehmen, durchzublättern und auch weiter auszufüllen, denn diese Seiten sind für zukünftige Erinnerungen und Gedanken gedacht.

Das Postkartenheftchen passt meiner Meinung nach nicht perfekt zu diesem Konzept, weshalb ich es aus meiner Bewertung auch ausschließen möchte.
Die Karten an sich sind sehr hübsch und auch die Sprüche darauf -alle beginnen mit „All you need is love and...“ sind gut und vor allem wunderschön in Szene gesetzt, jedoch würde ich persönlich diese Karten weder nutzen um sie für die Hochzeitsankündigung zu versenden noch würde ich sie zur Hochzeit verschenken. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.

Den Weddingplaner finde ich unglaublich hilfreich und er erspart sicher so einige schlaflose Nächte, wohin gegen „Unsere Lovestory“ ein wundervolles Geschenk zur Hochzeit oder zu Jahrestagen ist. Aber egal welches der Bücher man vor sich liegen hat, beide sind -wenn sie ausgefüllt sind- tolle Erinnerungsstücke.



Freitag, Mai 11

[Rezension] Forderung von John Grisham


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Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungstermin: 19. März 2018
ISBN-10: 3453270347



Ein hochaktueller Roman um Profitgier, Betrug und Rache – John Grisham ist ein meisterhafter Erzähler

Sie wollten die Welt verändern, als sie ihr Jurastudium aufnahmen. Doch jetzt stehen Zola, Todd und Mark kurz vor dem Examen und müssen sich eingestehen, dass sie einem Betrug aufgesessen sind. Die private Hochschule, an der sie studieren, bietet eine derart mittelmäßige Ausbildung, dass die drei das Examen nicht schaffen werden. Doch ohne Abschluss wird es schwierig sein, einen gut bezahlten Job zu finden. Und ohne Job werden sie die Schulden, die sich für die Zahlung der horrenden Studiengebühren angehäuft haben, nicht begleichen können. Aber vielleicht gibt es einen Ausweg. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, nicht nur dem Schuldenberg zu entkommen, sondern auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Ein geniales Katz- und Mausspiel nimmt seinen Lauf.
John Grisham hat 31 Romane, ein Sachbuch, einen Erzählband und sechs Jugendbücher veröffentlicht. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Er lebt in Virginia.
Der nächtliche Blick auf eine Stadt im Hintergrund. Wobei hier Blautöne des Himmels dominieren lassen den Hintergrund, auf dem über das komplette Cover Autorenname und Buchtitel geschrieben sind, noch ein wenig Leben mit in den Gesamteindruck bringen.
Wieder konnte mich hier nur der Name Grisham dazu bringen hier einen Blick zu riskieren.

„Grisham“. Wieder hat mich der Name gepackt, der mich auch schon bei „Das Original“ dazu gebracht hatte, ohne mich vorher von Klappentext oder anderen Meinungen berieseln zu lassen ins Buch zu stürzen.


Und Grisham hat mich erneut überrascht. Leider nicht im positiven Sinn.
Die Geschichte, rund um Zola, Todd und Mark war anfangs relativ interessant zu lesen. Sehr detailliert beginnt er die Verhältnisse zu beleuchten und schürt damit eine gewisse Erwartungshaltung. Ich hatte die Hoffnung, der mäßige Lesegenuss von „Das Original“ war so etwas wie ein Ausrutscher und der Autor hat sich wieder gefangen bzw. traf nur einfach einmal nicht meinen Geschmack. Soll es ja auch ab und an geben.
Schnell empfand ich einiges als nicht sehr realistisch, wobei mich grade die starke Realitätsnähe Grishams absolut von sich überzeugte.
Das sich „Forderung“ dann in einem mittelmäßig spannendem, hinplätscherndem und vorhersehbaren Roman ausbreitet war also dann eine konsequente Bergab-Tendenz, die er verfolgte.

Sprachlich kann man ihm nichts nachsagen. Unberücksichtigt von der für mich fehlenden Spannung liest sich das Buch gut und flüssig. Mit Worten umgehen kann der gute Herr Grisham. Auch der Plot hat einen roten Faden und nichts wirkt komplett aus der Reihe gegriffen.
Handwerklich ist „Forderung“ also nach wie vor ein Top-Buch. Doch was gute von genialen Autoren unterscheidet ist einfach das Fünkchen Mehr.

Beim nächsten Buch, auf dem groß „GRISHAM“ steht, warte ich lieber ab, lese Klappentext und einige Rezensionen, bevor ich direkt zugreife und weiter die für mich deutliche Abwärts-Tendenz mitverfolge.
Hier steht leider nur noch Grisham drauf. Der für mich schlechteste Roman dieses Autors.
Handwerklich top, aber mehr leider auch nicht. Schade.