Montag, Oktober 9

[Rezension] Der Tiger in der guten Stube von Abigail Tucker

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Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Theiss, Konrad
Erscheinungstermin: 11. September 2017
ISBN-10: 380623647X








Katzen sind unsere liebsten Haustiere. Im Laufe ihrer gemeinsamen Geschichte mit uns wurden sie zu einer der erfolgreichsten Tierarten auf diesem Planeten. Und heute herrschen sie über Hinterhöfe, ferne antarktische Inseln und unsere Wohnzimmer … und einige sind zu Stars des Internets geworden, die höhere Klickzahlen erreichen als so manche Hollywood-Größe.
Aber wie haben Katzen diese Dominanz erreicht? Anders als Hunde haben sie für uns keinen praktischen Nutzen. Sie sind miserable Rattenjäger und gleichzeitig eine Bedrohung für viele Ökosysteme. Und doch lieben wir sie. Um unsere Hausgenossen besser zu verstehen, macht sich Abigail Tucker auf die Reise zu Züchtern, Umweltaktivisten und Wissenschaftlern. Profund und unterhaltend erzählt sie, wie diese kleinen Kreaturen ihre Beziehung zu uns Menschen genutzt haben, um zu einer der einflussreichsten Spezies der Erde zu werden.
Nach der Lektüre werden Sie unsere pelzigen Begleiter mit anderen Augen sehen und sich selbst womöglich auch.
Abigail Tucker ist Autorin und Journalistin, die für verschiedenen Magazine und Zeitungen schreibt (u.a. Smithsonian Magazine und The Baltimore Sun). Für ihr Schreiben erhielt sie mehrere Auszeichnungen. Das erste Wort ihrer beiden Töchter war »Katze«.


Schon sehr an ein Sachbuch erinnerndes Cover zeigt sich auf „Der Tiger in der guten Stube“. Reinweißer Untergrund, darauf ein junges Kätzchen, das übergroß auf einem kleinen Sofa sitzend in die Kamera blickt. Titel, Autorenname und weitere Schriften sind einfach gehalten und lenken in Schwarz nicht zu sehr von dem Hauptprotagonisten ab.

Mit Katzen und Hunden im Haus weiß man als Mensch genau wo man steht. Der Hund freut sich, wenn man nach Hause kommt. Man kann kuscheln, spielen, toben, spazieren gehen. Man ist wie eine kleine Gottheit, über die sich Bello freut.
Bei einer Katze ist das vollkommen anders: Sie lässt sich dazu herab dich mautzend daran zu erinnern, das es Zeit ist sie zu füttern und hat dann bitteschön auch bereit zu sein um sie mit liebevollen Streicheleinheiten in den Schlaf zu wiegen. Schließlich sind sie Gottesgleich und möchten auch bitteschön vom gemeinen Fußvolk so behandelt werden.

Doch warum faszinieren Katzen so sehr? -Ganz einfach, sie haben ihre Eigenarten, die seltsam, komisch oder einfach nur „typisch Katze“ sind.
Vielen von diesen Eigenarten hat sich Abigail Tucker angenommen und mit Züchtern, Wissenschaftlern und Katzenliebhabern darüber gesprochen.

Von der Entwicklungsgeschichte über körperliche Besonderheiten bis zu einer Menge Zahlen und Fakten erfährt man hier sehr viel. Eingefleischten Katzenhaltern wird vieles schon bekannt vorkommen und doch fand sich für mich das ein oder andere Wissenswerte.

Vom Schreibstil her erinnert das Buch mich an einigen Stellen stark an eine wissenschaftliche Ausarbeitung, was hier und da ein wenig zu trocken wirkt. Besonders wenn es Richtung Zahlen und Fakten geht, war das Lesen müßig, da sich zum einen mit dem Wirkungskreis USA keine Verbindung zu meinem Umfeld aufbaute und zum anderen der sonst flüssige und voll Anekdoten sprießende Text einen ehr Lehrbuch-artigen Charakter bekam und sich nicht mehr so flüssig lesen lies.

Dennoch hat mir die etwas andere Sicht des Buches gefallen, da es kein „typisches Katzenbuch“ ist, welches an der Oberfläche schabt, ein paar Katzenrassen vorstellt und niedliche Bilder den Rest erledigen lässt. Es vermittelt im Ganzen ein anderes Verständnis für die Schmusetiger und sensibilisiert in Bezug auf instinktives Verhalten.

Optisch aufgelockert wird das Geschriebene durch eine Vielzahl niedlicher Zeichnungen, die sich auf den Seiten verteilen.

Viele Eindrücke haben mir gut gefallen und als Katzenhalter habe ich die ein oder andere Info für mich mitgenommen. Schade ist jedoch, das besonders der trockenere Teil des Buches sich mit Erhebungen in den USA beschäftigt. Eine internationale oder Länderspezifisch angepasste Erhebung hätte hier interessanter sein und den Lesefluss somit anziehen können.


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