Donnerstag, Juli 13

[Rezension] Everland von Rebecca Hunt



Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag
Erscheinungstermin: 13. Juni 2017
ISBN-10: 3630874630




Rebecca Hunts zweiter Roman ist Abenteuergeschichte, spannender Thriller und psychologisches Drama in einem. Die Insel Everland wird von zwei Antarktisexpeditionen erforscht, zwischen denen hundert Jahre liegen. Doch die Einsamkeit, die harten Wetterbedingungen und die feindseligen Kräfte der Natur sind heute wie damals bestimmend, und bei beiden Expeditionen zeigt sich: Die Antarktis enthüllt den wahren Charakter der Menschen, die sich ihr aussetzen.



Rebecca Hunt wurde 1979 in Coventry geboren und hat am Central Saint Martin's College, einer bekannten Londoner Hochschule für Kunst und Design, studiert. Rebecca Hunt ist Malerin und lebt in London. Ihr erster Roman „Mr. Chartwell“ stand auf der Longlist des Guardian First Book Award und auf der Shortlist des Galaxy National Book Award, ihr zweiter Roman „Everland“ kam auf die Shortlist des Encore Award 2014.



Beim ersten Blick habe ich das Cover ganz falsch eingeordnet. Das es sich hier um Eis und nicht um Wasser bzw. Wellen handelt ist mir erst beim genaueren Hinsehen aufgefallen, was vielleicht auch an dem Segelschiff liegt, das ich ehr in wärmere Regionen eingeordnet hatte.
Nichts desto trotz ist das Titelbild gut gelungen und strahlt durch das helle, nautische Thema einen ganz eigenen Charme aus.

Die Antarktis hat ihre ganz eigene Wirkung auf Menschen. Ich gehöre zu denen, die angezogen sind von dem Eis, der Kälte und der Stille... Angezogen aber nur in Bezug auf Aufnahmen, die ich mir anschauen kann, denn ich weiß: das, was ich jetzt faszinierend finde, würde mich dort verrückt machen.
Umso gespannter begann ich dieses Buch zu lesen, in dem zwei Antarktisexpeditionen im Abstand von einhundert Jahren beleuchtet werden. Beide nehmen den Leser mit in die eisige Welt, die aufgrund technischer Errungenschaften und Erfahrungen sehr unterschiedlich sein müssten. Jedoch stellen sich beiden Forscherteams Hindernisse in den Weg, die überwunden werden müssen.

In das Buch hineinzukommen war kein großes Problem. Anfangs noch etwas stolperig empfand ich spätestens nach 50 Seiten den Schreibstil der Autorin als äußerst angenehm. Sie schaffte es eine authentische Umgebung zu kreieren, in der man die Beklemmungen der Protagonisten nachempfinden konnte, in der die Ängste und Sorgen der Charaktere gut transportiert werden konnten.

Durch ausführliche Konversationen lernt man viel über die Personen an Bord. Sie bleiben nicht oberflächlich sondern erhalten durch nachvollziehbare Gedankengänge Profil. Es war schön zu lesen, wie Hunt auf die Veränderungen in ihrem Denken eingegangen ist und was die Kälte, Einsamkeit und die Gefahren mit ihnen machen.

Die Spannung, die in Everland erzeugt wird fand ich großartig. Da man so tief in der Psychologie der Protagonisten wühlt wirken Gefahren und Konflikte noch einmal ganz anders. Man fängt auch an sich in einzelnen Situationen selbst zu hinterfragen und lässt sich gedanklich noch einmal tiefer fallen. Wie weit würde ich in der Situation gehen? Könnte ich den Menschen vertrauen, die auch für mein Leben mitverantwortlich wären?

Ich möchte nicht zu viel auf Everland eingehen, da ich glaube, jeder Leser wird auf seine eigene Reise mitgenommen und kann dieses Buch anders empfinden. Für mich war es großartig. Es war eine Reise in die Antarktis und in meine Gedankenwelt.

Everland gehört definitiv zu den besten Büchern, die ich in diesem Jahr bisher gelesen habe und das ich jedem, der Lust auf ein spannendes Antarktisabenteuer mit Tiefgang hat, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.


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