Donnerstag, Juni 1

[Rezension] Todesdomina von Pamela Fuchs



Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: egoth Verlag
Erscheinungstermin: 27. April 2017
ISBN-10: 3903183016


Zuvor war sie eine unter vielen. Dann geriet Sexarbeiterin Pamela F. in die Schlagzeilen, als einer ihrer Kunden der Luststeigerung durch Atemreduktion hervorrufen wollte während des Spiels verstarb. Mit einem Schlag war für Herrin Emily alles anders: Nun ging es nicht mehr darum, sich in der Sex-Szene Wiens und Österreichs zu positionieren, sondern nach Möglichkeit dem Knast zu entgehen. Aufgrund außerordentlich mildernder Umstände und dank eines hervorragenden Anwalts, Dr. Martin Mahrer, fiel das Urteil mehr als annehmbar aus: zwei Jahre bedingte Haft. Pamela F. fiel ein Stein vom Herzen. Nun, gut ein halbes Jahr nach dem Gerichtsverfahren, das eine Zäsur im Leben der jungen, lebenslustigen Wienerin darstellt, legt die 29-Jährige ihre Biographie vor. Entstanden ist ein Buch, das den Leidensweg von Pamela F. beschreibt als Kind missbraucht vom Stief-Großvater, als Jugendliche vom ersten Freund.

Pamela Fuchs geriet im Jahr 2015 in die Schlagzeilen. Die Sexarbeiterin, die als Domina tätig war, hatte einem Kunden geholfen, Luststeigerung durch Atemreduktion hervorzurufen. Dabei war der Mann zu Tode gekommen. Fuchs wurde wegen „absichtlicher schwerer Körperverletzung mit Todesfolge" verurteilt. Dennoch blieb sie auf freiem Fuß.


Das Titelbild des Buches könnte passender nicht gewählt sein. Der Hintergrund ist dunkel gehalten und auf einem Ledersofa sitzt Autorin Pamela Fuchs. Gekleidet in weißer Bluse mit schwarzem Rock, einem strengen Pferdezopf, Brille und rotem Lippenstift fällt besonders ihr Accessoire, ein Rohrstock, besonders ins Auge. Davor steht sehr präsent der Titel des Buches in großen weißen Lettern. Ohne vulgär zu wirken, weiß der Betrachter des Covers, auch ohne den Titel zu lesen, mit welcher Thematik er in diesem Buch zu tun hat.

Neben dem Cover findet man immer wieder Zeichnungen und Fotos verschiedener Lebensabschnitte der Autorin, welche  die jeweiligen Situationen über die geschrieben wurde untermalen.


Dieses Buch hat mich von Anfang an auf eine Weise gefangen, wie ich sie nicht erwartet habe.
Pamela Fuchs ist Domina, verdient ihr Geld damit Männern sexuelle Wünsche zu erfüllen, die gewaltsam, schmerzhaft und erniedrigend sind.
Als ein Freier an sie herantritt und den Wunsch äußert sie solle eine Atemreduktion nach seinen Wünschen bei ihm durchführen, scheint auch dies keine ungewöhnliche Bitte im Leben einer Sexarbeiterin zu sein.

Doch dies Ereignis und seine Folgen ist nicht alles, was das Buch thematisiert. Durch Fuchs´Augen blickt man zurück auf ihre Kindheit, ihren Werdegang und auf Wendepunkte in ihrem Leben und bekommt ein Gespür für die Person hinter der Brille.

Was mir persönlich gut gefallen hat, ist das der Schreibstil von Pamela Fuchs recht trocken ist. Sie lässt zwar ihre Gefühle durchblitzen, macht sich und ihre Geschichte mit diesem Buch aber nicht zu einem bemitleidenswerten Opfer. Ganz im Gegenteil, sie spricht den Leser an und fragt zum Beispiel, wie sich ein Kind in so einer Situation fühlen sollte. Ganz ohne es zu merken versetzt man sich in der ein oder anderen Situation in sie hinein, hinterfragt und empfindet mit ihr.
Da es sich hier um eine Biographie handelt, möchte ich keine Bewertung darüber geben, ob ich den Spannungsbogen gelungen fand oder ob ich die Handlungen der Protagonistin nachvollziehbar war.
Dies nehme ich so wie es ist, denn an realen Gegebenheiten kann man nicht rütteln.

Was ich aber bewerten kann ist die Art und Weise, wie mit den Gegebenheiten umgegangen wurde. Bei der Thematik wäre es ein leichtes gewesen effekthaschend oder aufwühlend zu schreiben und eine weitaus aggressivere Wortwahl an den Tag zu legen. Das hier bewusst darauf verzichtet wurde und die Autorin so Platz zum Mitempfinden gibt, keinen Schuldigen sucht sondern einfach ihre Erlebnisse schildert fand ich sehr gelungen.
Hier wurde ein tragisches Ereignis geschildert, ohne es nach allen Mitteln der Kunst auszuschlachten und nach Schuld und Unschuld zu suchen.
Für mich eine gut zu lesende Biographie, die meiner Meinung nach mal wieder aufzeigt, das manchmal die Grenzen zwischen Schuld und Unschuld verschwimmen.


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