Sonntag, Februar 5

[Rezension] Ich wollte nur, dass du noch weißt von Emily Trunko

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Gebundene Ausgabe mit Folienprägung, abgerundeten Ecken und Leseband : 192 Seiten
Verlag: Loewe
Erscheinungstermin: 13. Februar 2017
ISBN-10: 3785586086



Wer hat nicht schon einmal einen Brief geschrieben und darin die geheimsten Gedanken und Gefühle preisgegeben, sich dann aber doch nicht getraut, ihn abzuschicken?

Die Social Media-Sensation aus den USA! Bisher unveröffentlichte Beiträge des beliebten Tumblr-Blogs Dear My Blank werden in diesem einzigartigen Geschenkbuch vereint. Die liebevollen Illustrationen, das wunderschöne Handlettering und die zutiefst bewegenden Worte machen diese Sammlung zu einem ganz besonderen Jugendbuch, das lange im Gedächtnis bleiben wird.

In ihrem Tumblr-Blog Dear My Blank postet die 16-jährige Emily Trunko anonyme Briefe, Nachrichten und E-Mails der mehr als 35.000 Leser ihres Blogs, die eigentlich nie versendet werden sollten: herzzerreißende Liebesbriefe, zutiefst traurige Abschiedszeilen und auch Worte voller Hoffnung. Diese Texte zeigen, dass wir mit unseren Problemen nicht allein sind, und geben uns den Mut, unseren eigenen Brief vielleicht doch noch zu verschicken.

„Dieser Blog, gefüllt mit fremden Geheimnissen, ist eine regelrechte Sucht!“
Cosmopolitan

Autor
Emily Trunko ist eine faszinierende Sechzehnjährige aus der Kleinstadt Copley in Ohio. Mit elf hat sie einen Blog namens On Emily’s Bookshelf ins Leben gerufen, in dem sie Bücher rezensiert hat, und mit vierzehn begann sie das Clover Chain Project, das es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Teenager mit ähnlichen Problemen zusammenzubringen, worauf sogar die regionale Presse aufmerksam wurde. My Dear Blank wurde geboren aus Emilys eigenem Notizbuch voller Briefe, die niemals abgeschickt werden sollten, und ist inzwischen eine Internetsensation.


Auf dem weißen Untergrund ist etwas abgedruckt, was stark an eine Sonne erinnert. Diese ist allerdings in Blau gehalten und ihre Strahlen setzen sich aus vielen bunten, verschieden geformten Schnipseln und Strichen zusammen. Alles ist nicht exakt rund oder gleichmäßig sondern hat -genau wie die Schriftart, die für den Titel sowie die Autorennamen verwendet wurden- den Charakter, als wäre es von Kindern ausgeschnitten und zu einer Collage zusammengeklebt worden.
Ebenso wie das Cover sind auch die einzelnen Seiten des Buches gestaltet. Jede anders und auf seine eigene Weise. Und doch bilden sie zusammen ein wunderbares Potpourri, welches zusammen eine tolle Wirkung erzielt.


Als ich von diesem Buch gehört habe, wollte ich es unbedingt lesen. Die Gründe waren vielseitig. Zum einen war es schiere Neugier. Ich wollte wissen, was hinter diesen Briefen steckt, wollte erfahren, was andere Menschen nur dem anonymen Internet anvertrauen und was sie schon immer sagen wollten, aber nie zu sagen gewagt haben. Ich habe mich gefragt, ob man so persönliche Dinge als völlig fremder Leute nachvollziehen kann und wie dieses Konzept der einzelnen Briefe wohl in einem Buch funktionieren kann.

Schon bei dem Vorwort wird die Autorin sehr persönlich. Sie beschreibt ihren Werdegang mit ihrem Blog und wie sie dadurch ihren Freund kennengelernt hat. Was es ihr bedeutet diese ganzen Briefe zu bekommen und sie verwahren zu dürfen.
Die einzelnen Briefe sind grafisch toll aufgearbeitet und thematisch grob sortiert, so das man von einem Brief zum nächsten schon in einer gewissen Grundstimmung ist und sich so auch mehr auf das emotionale einlassen kann.

Über den Inhalt kann ich gar nicht viel sagen, denn jeder Verfasser beschreibt andere Gefühle, umschreibt seine Geheimnisse mit anderen Worten oder nutzt eine Sicht auf die Dinge, auf die man selber nicht gekommen wäre.
Seine Liebe zu jemand anderem mit der Liebe zwischen Batman und Deadpool zu vergleichen, die aus völlig verschiedenen Welten kommen ist hier ein Beispiel, das mir stark im Gedächtnis geblieben ist.
Wieder einen ganz anderen Brief werde ich wohl nie wieder vergessen. Er ist von einer Person die sich direkt zu Anfang bei seiner großen Liebe entschuldigt, die er vermutlich nie kennenlernen wird, da er nicht mehr lange zu leben hat. Diese Person umschreibt völlig normale Wünsche, wie zusammen einzukaufen oder sich für „komische Dinosauriergeräusche“ in der Nacht zu entschuldigen als etwas, das er gerne mit dieser Liebe hätte teilen wollen. Beim Lesen hatte ich Tränen in den Augen.

Einige Einsendungen, die für „Ich wollte nur, dass du noch weißt...“ verwendet wurden sind witzig, andere tief ergreifend, liebevoll, traurig oder auch verzweifelt. Aber eins haben sie alle gemeinsam: Sie sind sehr emotional und bewegen den Leser zum nachdenken.

Nach diesem Buch bin ich zwar nicht klüger, aber ich habe in manchen Dingen eine andere Sicht und zumindest den Vorsatz, mich in Zukunft öfter zu fragen, wie das was ich sage oder mache wohl auf andere Menschen wirkt und was es sie fühlen lässt. Denn einen Nebeneffekt hat die Anonymität der Verfasser auch: Jeder hätte diese Briefe schreiben können. Der Nachbar, der immer grüßt, wenn er mit dem Hund geht, die Mutter, die mit ihrem Kind auf dem Spielplatz spielt oder der in sich gekehrte Jugendliche, der musikhörend in der Stadt an einem vorbei geht.

Nach Beenden des Buches habe ich mir das Cover und die Aufmachung noch einmal angeschaut: Viele kleine, verschieden gefärbte Sprenkel, die ein wunderschönes Bild ergeben. Auch wenn hier und da mal etwas nicht perfekt ist, so gehören sie doch zum Ganzen und sind besonders.



„Ich wollte nur, dass du noch weißt...“ ist ein einzigartiger Blick hinter die Kulissen der Menschen. Geheimnisse und Gefühle, die sie niemandem anvertrauen und sich doch von der Seele geschrieben haben zeigen wie wichtig es ist auch einmal darüber nachzudenken, was in den Leuten um sich herum los sein könnte.  


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