Dienstag, Februar 7

[Rezension] Das gelbe Dossier von M. Karagatsis

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Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
Verlag: Verlag der Griechenland Zeitung - Hellasproducts GmbH
Erscheinungstermin: 20. Oktober 2016
ISBN-10: 3990210157




„Das gelbe Dossier“ gilt als ein Meisterwerk der neueren griechischen Literatur. Für den bekannten Literaturkritiker Demosthenes Kourtovik handelt es sich dabei um „einen der besten griechischen Romane, die je geschrieben worden sind.“ Und Petros Markaris bezeichnet den Autor Karagatsis im Vorwort als einen „Meister der Erzählkunst“ – dem großen Nikos Kazantzakis ebenbürtig.
Der Inhalt:
Im Heute begegnet der Schriftsteller (und Ich-Erzähler) Karagatsis, der sich selbst als Romanfigur inszeniert, am Grab des Literaten Manos Tassakos einer geheimnisvollen Frau namens Maria. Sie vertraut ihm in der Folge ein gelbes Dossier mit persönlichen Materialien von und zu Tassakos an. Tassakos ist der eigentliche Protagonist des Werkes, der, wie wir zu Beginn des Romans erfahren, Selbstmord verübt haben soll. So entrollt sich auf einer zweiten Ebene – als Roman im Roman – der Knäuel des geheimnisvollen Lebens und Todes des Helden, der sich als skrupelloser und unmoralischer Ränkeschmied und Intrigant sowie leidenschaftlicher Liebhaber Marias entpuppt. Letztere wird als sein weibliches Alter Ego dargestellt, die ihm – im Positiven wie im Negativen – Gleiches mit Gleichem vergilt. Eine entscheidende Rolle in der Handlung nehmen auch der Mentor von Tassakos, der große, mit dem Nobelpreis dekorierte Literat Kostis Roussis und dessen Neffe Nikos ein, die beide ebenfalls in einem engen Verhältnis zu Maria stehen. Die Handlung wird in der Folge stetig mit neuen dramatischen Ereignissen aufgeladen, welche die Spannung durchgängig aufrecht erhalten.

Autor
M. Karagatsis, Pseudonym des mit dem Namen Dimitrios Rodopoulos 1908 in Athen geborenen und 1960 ebenfalls in Athen verstorbenen griechischen Prosaautors, ist im deutschsprachigen Raum weitestgehend unbekannt. Nichtsdestotrotz zählt er mit seinem – angesichts seiner nur 52 Lebensjahre – bemerkenswert reichhaltigen Werk zu den bedeutendsten und einflussreichsten griechischen Erzählern des 20. Jahrhunderts. Es umfasst unter anderem 15 Romane und mehrere Erzählbände, Theaterstücke und Essaysammlungen.


Optisch passend zum Titel ist ein gelber Ordner auf dem Cover abgebildet. Auf diesem liegt ein Füller, aus dem Blut statt Tinte zu kommen scheint. Auch wenn mir das Cover nicht so zusagt, so ist es doch passend zum Buch gewählt und damit recht ausdrucksstark.


Karagatsis, der eines Tages an das Aktenmaterial Tassakos´ kommt, fängt an dessen Selbstmord zu begreifen und wird zum Ermittler in diesem Fall. Durch seine Sicht auf die Dinge erfährt der Leser viele Details, zeitgleich mit Karagatsis und man fängt an mitzurätzeln, was mir sehr gut gefallen hat.
Überhaupt diesen Blick auf den eigentlichen Protagonisten Tassakos, dessen Leben genauestens unter die Lupe genommen und rekonstruiert wird wie das Dossier in die Hände Karagatsis´ gelangt ist, bilden ein spannendes Handlungsfeld.

Leider, zu meinem Nachteil musste ich mich erst einmal ein wenig dazu durchringen soweit zu lesen, das ich dieses Handlungsfeld und die spannenden Parts erkunden konnte. Denn ein ehr emotionsloser Schreibstil verbunden mit einer sehr langen Einführung in die Charaktere und ihre jeweiligen Verbindungen zueinander machten den Einstieg in das Buch recht schwerfällig.

Ebenso führten lange Dialoge dazu, manchmal lieber ein anderes Buch in die Hand nehmen zu wollen.
Jedoch wurde mein Durchhalten belohnt. Ich las einen Roman mit Charakteren, die eine enorme Tiefe haben und in ihrem Handeln absolut authentisch wirken.
Einen Roman, dessen Autor sich verschiedenster stilistischer Mittel zu nutze macht um dem Leser ein vielschichtiges Leseerlebnis zu bereiten und nicht zu vergessen die verschachtelte Art, eine Geschichte in einer Geschichte zu verpacken.

Letzten Endes blicke ich positiv und zufrieden auf „Das gelbe Dossier“ zurück und bin froh, das mich meine anfängliche Meinung nicht dazu bewogen hat das Buch aufzugeben.



Dieses Buch ist keine leichte Kost und auch kein Roman für zwischendurch. Karagatsis´Werk benötigt Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen von seinem Leser, belohnt diesen aber letzten Endes mit einer großartigen Geschichte und Charaktertiefe, die seinesgleichen sucht.


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