Montag, Oktober 10

[Rezension] Lebensnacht von Will Hofmann

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Gebundene Ausgabe: 350 Seiten
Verlag: fabulus Verlag
Erscheinungstermin: 25. August 2016
ISBN-10: 394478829X



Menschen sterben weltweit in großer Zahl, ihre Leichname lösen sich in Pfützen auf, nur Knochen und Kleidungsstücke bleiben übrig. Und der Geruch nach Benzin. Der nicht für möglich gehaltene Super-GAU stellt selbst die Auswirkungen der Atombombe in den Schatten und wird Realität: Die Menschheit steht vor dem Aus.
Professor Harry Kauffmann, Träger des Chemie-Nobelpreises und weltweit anerkannte Koryphäe auf seinem Gebiet, versucht mit seinem Team, den Schaden einzudämmen, der ihm bei seinen Experimenten unterlaufen ist. Er wollte Benzin mithilfe genetisch veränderter Bakterien herstellen. Um die tödlichen Folgen seiner Forschungen zu bekämpfen, fehlen aber die adäquaten Mittel. Ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit beginnt. Wie wird dieser enden?

Autor
Will Hofmann, Jahrgang 1949, arbeitete nach dem Studium der Medizin in Mainz bis 1989 an verschiedenen Kliniken und führte danach eine Praxis für Allgemeinmedizin in Berlin-Neukölln. Seit Studientagen ist er schriftstellerisch tätig und hat Kurzgeschichten, Fantasyromane und ein Kinderbuch veröffentlicht. Zuletzt erschien von ihm im Fabulus-Verlag der Roman »Götter«.




Das Cover, welches auf große Effekthascherei verzichtet, passt mit seinem schwarzen Buchschnitt und dem schwarzen Lesebändchen perfekt zum Klappentext. Größtenteils in mattem weiß gehalten kommen der glänzende Titel sowie die farblichen Akzente, welche an eine Explosion bzw. Feuer erinnern gut zur Geltung.

Aus der Sicht eines Freundes der Familie Kaufmann wird erzählt, wie die Geschehnisse rund um den Fall, der anfangs so vielversprechend schien, ihren Lauf nahmen. Diese Sicht des Erzählers ermöglicht dem Leser immer wieder eingeworfene Eindrücke vergangener Tage mitzuerleben und sich so ein authentisches und plastisches Bild der Charaktere machen zu können.
Da für mich ein Buch mit seinen Charakteren steht oder fällt, freut es mich sehr, das hier mit gut durchdachten Figuren geschrieben wurde. Sie sind nicht starr, haben Ecken und Kanten und nicht zuletzt der ihnen verliehene Dialekt gibt ihnen Dimension.

Professor Harry Kaufmann und seinem Team gelingt es der Kraftstoffkriese zu trotzen und Benzin herzustellen, indem sie sich der Eigenschaften genetisch veränderter Bakterien zu nutze machen.
Ein Experiment, das schnell außer Kontrolle gerät und dessen Folgen nun wie ein schwarzes Tuch über dem Fortbestand der Menschheit liegt.
Direkt zu Anfang wird der Leser gut abgeholt und man kommt mit Hilfe des Prologs spielend einfach in die Geschichte, in der man sich dank des anschaulichen Erzählstils auch leicht zurecht findet.

Recht schnell wird die Katastrophe angeschnitten und der Spannungsbogen, der sich gleichmäßig und stetig aufbaut reißt einen immer weiter. Die Story, die ohnehin schnell Fahrt aufnimmt, wird durch kurze, prägnante Kapitel unterstützt, die alles noch ein wenig rasanter wirken lassen.
Zusammen mit Hofmann´s Schreibstil, der angenehm zu lesen ist, wurde „Lebensnacht“ für mich zu einem Pageturner, den ich nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Der Autor hat auf wissenschaftlicher Seite -sofern ich das als nicht wissenschaftlicher Leser beurteilen kann- ganze Arbeit geleistet. Durch Fachwörter und eine realistisch wirkende Abfolge wird eine gewisse Authentizität geschaffen, die im Hinblick auf realistisch drohende Energie- und Kraftstoffkriesen noch bedrohlicher wirken. Dennoch ist Hofmann´s Roman so geschrieben, das man auch ohne Fachwissen gut zurecht kommt, denn für Begriffe, die nicht im Kontext erklärt werden oder gar fiktive Fachbegriffe eigens für „Lebensnacht“ erfunden, gibt es ein Glossar, in dem man zwischendurch nachschlagen kann.

„Lebensnacht“ ist spannend, anspruchsvoll und mitreißend vom Anfang bis zum Schluss. Gut ausgearbeitete Charaktere und eine Handlung, die zum nachdenken anregt, runden für mich das Paket zu einem empfehlenswerten Buch ab.



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