Montag, September 19

[Rezension] Ich fühle was, was du nicht fühlst von Amelie Fried

[Anzeige enthält Werbelinks]


Broschiert: 400 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungstermin: 22. August 2016
ISBN-10: 3453265904



Die 13-jährige India lebt mit ihren Hippie-Eltern und ihrem Bruder Che in der bürgerlichen Umgebung einer süddeutschen Kleinstadt. Intelligent und mit spöttischem Scharfblick betrachtet sie die Welt der Erwachsenen und durchschaut deren Lebenslügen. Ihr Nachbar, ein Musiklehrer, überredet sie zu Klavierstunden und entdeckt ihre große musikalische Begabung. Während ihre Eltern mit einer Ehekrise beschäftigt sind und Che in die Kriminalität abzudriften droht, entsteht zwischen India und ihrem Lehrer eine einzigartige Verbindung, getragen von der Liebe zur Musik. Doch in einem einzigen Moment zerstört er ihr Vertrauen, und India steht vor einer furchtbaren Entscheidung: Ihr Geheimnis öffentlich zu machen – oder für immer zu schweigen.

Autor
Amelie Fried, Jahrgang 1958, wurde als TV-Moderatorin bekannt. Alle ihre Romane waren Bestseller. Traumfrau mit Nebenwirkungen, Am Anfang war der Seitensprung, Der Mann von nebenan, Liebes Leid und Lust und Rosannas Tochter wurden erfolgreiche Fernsehfilme. Für ihre Kinderbücher erhielt sie verschiedene Auszeichnungen, darunter den »Deutschen Jugendliteraturpreis«. Zusammen mit ihrem Mann Peter Probst schrieb sie den Sachbuch-Bestseller Verliebt, verlobt – verrückt?. Bei Heyne erschien zuletzt der Roman Traumfrau mit Lackschäden. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in München.




Der Einband ist eine regelrechte Farbexplosion. Auf dem leicht strukturierten, weißen Hintergrund sieht man Wasserfarben, die in einer großen Farbwolke zu verschmelzen scheinen. Von Blau über Grün, Rot und Pink bis hin zum leuchtenden Gelb ist alles vertreten und bildet sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite tolle Farbverläufe. In großen Lettern ist der Autorenname in Schwarz, der Titel des Buches in Weiß direkt auf dem Farbfeld gedruckt. Mich erinnerte es im ersten Moment daran, wie es sein muss ein Holi-Festival von oben zu sehen, wenn all die Farbpulver zusammenkommen und sich etwas neues, einzigartiges bildet.

Tief in den 70er Jahren taucht der Leser in die Welt der 13-Jähriegen India ein, ein Mädchen, das ihre Umwelt sehr detailliert wahr nimmt und den Leser stark daran teilhaben lässt.
Zunächst einmal kann ich sagen, das ich dieses Jahrzehnt selber nicht miterlebt habe, mich aber durch die authentische Darstellung im Buch gut darin hineinversetzen konnte und das wiedergefunden habe, was ich aus Filmen und Erzählungen dieser Zeit schon kannte. Das 70´s-Feeling auf diese Weise mitzuerleben hat mir wirklich Freude bereitet

India ist eine wunderbare Protagonistin. Sie ist nahbar, authentisch und man hat von Anfang an das Gefühl sie schon ewig zu kennen. Sie ist klug, witzig und hinterfragt ihre Umgebung und vor allem die Menschen darin sehr kritisch und ironisch. Sie macht eine realistische Entwicklung mit und wirkt alleine oder auch im Zusammenhang mit anderen Charakteren wie ihrer Familie, ihrer Freundin und so weiter nicht inszeniert.

Verpackt in einer guten Geschichte mit einem Augenzwinkern hier und da erlebt man die Problematik der 70er mit, wie es ist wenn die Eltern sich auf Sinn-suchenden Pfaden befinden und man als Kind andere Bedürfnisse hat.

Der Erzählstil ist locker und der Zielgruppe angemessen. Obwohl man hier eine junge Protagonistin vorfindet, ist das Buch nicht jugendlich geschrieben. Ehr so, als würde die heutige, ältere India sich zurückerinnern und den Leser auf eine Reise in ihre Vergangenheit mitnehmen. Amelie Fried schreibt einfühlsam und detailverliebt, ohne dabei kitschig oder übertrieben zu wirken. Das gefällt mir besonders an diesem Buch.


„Ich fühle was, was du nicht fühlst“ ist das richtige für einen verregneten Sonntag auf dem Sofa, ein Buch, das man einfach genießen kann, weil ungeschönt und ehrlich daher kommt und ohne Kitsch eine Geschichte erzählt, die ans Herz geht.  


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen