Samstag, September 24

[Rezension] Die Launenhaftigkeit der Liebe von Hannah Rothschild



Gebundene Ausgabe: 512 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
Erscheinungstermin: 12. September 2016
ISBN-10: 3421047138



Darf man für ein Gemälde töten?
Annie McDee ist nach London gezogen, um nach der Trennung von ihrem langjährigen Freund einen Neuanfang zu wagen. Eines Tages kauft die junge Köchin in einem Trödelladen ein verstaubtes kleines Gemälde, nicht ahnend, dass dieses Bild nur wenige Monate später die internationale Kunstwelt in helle Aufregung versetzen wird. Schwerreiche russische Oligarchen, Staatspräsidenten, die Gattin eines Ölscheichs und ein Gangster-Rapper werden vor dem altehrwürdigen Auktionshaus Monachorum & Sons Schlange stehen, um den »Verkauf des Jahrhunderts« für sich zu entscheiden. Doch auch Annies Leben wird durch ihren Zufallsfund auf den Kopf gestellt. Denn unversehens gerät sie ins Zentrum der dunklen Machenschaften skrupelloser Kunsthändler, die zu allem bereit sind, damit ein gut gehütetes Familiengeheimnis nicht ans Tageslicht kommt ...

Autor
Hannah Rothschild, 1962 geboren, entstammt der berühmten Bankiersfamilie und arbeitet als Autorin und Filmregisseurin. Sie schreibt u.a. für Vanity Fair, The New York Times, Harper's Bazaar und Vogue. Der Kunstbetrieb, in dem ihr Romanerstling spielt, ist ihr aufs Beste vertraut, da sie sich seit vielen Jahren in den Kuratorien renommierter Museen wie z. B. der Tate Gallery engagiert. Seit 2015 steht sie als erste Frau dem Board der National Gallery vor. Bisher liegt auf Deutsch nur ihre Biografie über ihre Großtante Nica Rothschild vor, "Die Jazz-Baroness" (2013). "Die Launenhaftigkeit der Liebe" war nominiert für den Baileys Women's Prize for Fiction und wurde mit dem Bollinger Everyman Wodehouse Prize for Comic Fiction ausgezeichnet. Das Buch erscheint in rund zehn Ländern und hat in der englischsprachigen Welt Leser wie Kritiker begeistert.



Es ist so schlicht und doch so hübsch. Ganz in Gold und Weiß gehalten, mit diesen barock anmutenden Schnörkeln. Ich bin großer Verfechter von schönen Schutzumschlägen, aber dieses Buch sieht ohne fast noch besonderer aus. Da ist es vollkommen mit einem schimmernden Goldton überzogen, der das darauf fallende Licht wunderschön bricht. Lediglich der Autorenname und der Titel des Buches sind in Weiß auf seinen Rücken gedruckt. Die deutsche Version des Covers gefällt mir sogar um Welten besser als die amerikanische, wobei diese schon mehr Hinweise auf die Thematik des Buches gibt, als das deutsche Buchcover mit dem Pinsel und der Farbpalette, die sich unter dem Titel befindet.




In „Die Launenhaftigkeit der Liebe“ geht es um ein fiktives Gemälde mit selben Namen, das von einem realen Maler geschaffen wurde. Der Franzose Antoine Watteau malte zu Beginn des 18. Jahrhunderts Bilder einer neuen Gattung und in diesem Roman wird vorgegeben, das Titel gebende Stück wäre das erste seiner Art von Watteau, welches in vergangenen Jahrhunderten durch die Hände verschiedener Königshäuser und Päpste gegangen ist, bis es letztendlich lange Zeit für verschollen galt.

Als Protagonistin Annie eben dieses Gemälde in einem Londoner Trödelladen entdeckt ahnt sie nicht, welchen Schatz sie da in der Hand hält. Erst als ihre Mutter sie dazu drängt sich nähr mit dem Bild zu befassen kommt sein Wert ans Licht.
Als dieses dann in einer Auktion versteigert werden soll zieht es das „Who-is-Who“ auf das Spielbrett: Kunsthändler, Historiker, Exil-Russen und Menschen, die alles tun würden, damit ihr Familiengeheimnis, welches mit dem Bild verbunden ist nicht aufgedeckt wird.

Neben der Geschichte um das Werk Watteau´s gibt es noch weitere Handlungsstränge, die eine große Rolle in diesem Buch spielen. So gibt es das Zerwürfnis mit der alkoholkranken Mutter, die Liebesgeschichte, die sich noch einen Platz gesichert hat und fast nebenbei fügen sich noch kunstgeschichtliche und kulinarische Ergänzungen in diese Verflechtung mit ein. So interessant ich auch diese verschiedenen Aspekte finde, so ist es mir an manchen Stellen doch etwas zu viel des guten, da ein Ereignis scheinbar das nächste jagt, was zwar auf der einen Seite keine Längen mit sich bringt, auf der anderen aber auch keine Pause von den vielen Eindrücken gibt. Noch dazu werden scheinbar einige dieser Handlungsstränge meiner Meinung nach nicht zu genüge auserzählt.

Allerdings sind die einzelnen Punkte, besonders die künstlerischen und kulinarischen, wunderbar beschrieben. Man bekommt als Leser einen guten Eindruck von dem Gemälde, den Gerichten und erfährt so jedes Mal eine kleine Sinneswanderung.

Der Schreibstil ist dem Buch angemessen gewählt. Nicht zu locker, aber auch nicht zu steif schreibt Rothschild die Geschichte nieder. Was mich in meinem Lesefluss allerdings anfangs sehr störte war das man zwischendurch immer wieder Passagen hat, die aus der Sicht des Gemäldes geschrieben wurden. Natürlich ist dies eine tolle Möglichkeit seinen Werdegang mitzuerleben und so auch einen Blick quasie „von außen“ auf die gegebene Situation zu werfen, dennoch passte das Bild mit Bewusstsein für mich in diese Art Roman nicht hinein.


„Die Launenhaftigkeit der Liebe“ ist ein großartiges Buch, das neben der eigentlichen Geschichte viele lesenswerte Aspekte mit sich bringt. Ich hätte mir nur gewünscht, das die vielen Handlungen und Eindrücke durch einige Seiten mehr ein wenig entzerrt würden, kann es aber jedem empfehlen, der Interesse an Kunst oder Dramen – einfach an vielschichtigen Geschichten hat und gerne in bildhaften Beschreibungen schwelgt. 


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