Freitag, September 30

[Rezension] Casting von Yvonne Richter

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Gebundene Ausgabe: 340 Seiten
Verlag: fabulus Verlag; Auflage: 1.
Erscheinungstermin: 25. August 2016
ISBN-10: 3944788281
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 - 16 Jahre




Lovis ist ein Siegertyp. Geschickt bewegt er sich in der schillernden Spielewelt, deren Gesetze längst in sämtlichen Bereichen des Lebens gelten. Eine Clique von selbstverliebten Juroren hält das Karussel der Castings und Contests in Gang. Sie sorgen mit drastischen Methoden dafür, dass niemand aus der Reihe tanzt. Als Lovis sich mit Jo anfreundet, beginnt er am Sinn der strengen Regeln zu zweifeln. Das Mädchen und er gehen auf gefährliche Touren. Was sie dabei hinter den Kulissen der Vergnügungsmaschinerie entdecken, stellt alles Gewohnte infrage. Mit einigen Gleichgesinnten finden sie Zuflucht in einer alten Manufaktur und proben den Widerstand. Aber Detektive sind ihnen bereits auf der Spur. Wird es den Ausreißern gelingen, sich gegen das übermächtige System zu behaupten und ihren eigenen Ideen zu folgen?

Autor
Yvonne Richter, Jahrgang 1956, machte nach dem Kunststudium in München noch einen kleinen Umweg als Kunsterzieherin im Niederbayerischen, bevor sie beim Museum im Koffer Nürnberg ihre berufliche Heimat fand. Dort baute sie das erste mobile Kindermuseum auf Tour in Deutschland mit auf, bis sie nach der Geburt ihrer Tochter 1990 neue Aufgaben suchte und einige Jahre als Figurentheaterspielerin und Performancekünstlerin unterwegs war.
Dem Kindermuseum blieb sie jedoch treu und als sich ein festes Haus formte, das Kinder & Jugendmuseum Nürnberg, stieg sie wieder ein und gab dem jungen Unternehmen grafisch und gestalterisch sein unverwechselbares Gesicht.
Seit 2008 schreibt sie Kinder- und Jugendbücher, die auch von den vielfältigen Erfahrungen mit den jungen Besucherinnen und Besuchern geprägt sind.


Das in Erdtönen gehaltene Cover erinnert mich ans Theater. Im Hintergrund ist es recht dunkel, man sieht die Silouette einer Person, die eine Art Vorhang öffnet und im Scheinwerfer-Licht steht. Ein Lichtkegel erhellt auch den Bereich hinter ihm.
Die Covergestaltung sagt mir hier nicht so zu, ich hätte ohne den Klappentext zu lesen vermutlich ehr weniger dazu gegriffen.
Was sich für mich aber mehr und mehr zu einem totalen Hingucker entpuppt ist der Buchschnitt. Er ist wie jedes meiner Bücher aus dem Fabulus-Verlag farbenfroh gestaltet, hier ist er wunderschön in leuchtendem Orange.


Spätestens nach DSDS und Co sind Castings in aller Munde. Wie dies in einer dystopischen Welt auf die Spitze getrieben werden könnte erzählt dieses Jugendbuch.
Nahrung, Kleidung und auch Wohnraum – schlichtweg alles, was der Mensch benötigt oder haben möchte, denn es gibt auch Luxusgüter zu gewinnen, muss erspielt werden. Dabei werden allerhand lustig klingende Spiele wie „Nasenringgewichtheben“ zu bitterem Ernst, denn nur der Gewinner des jeweiligen Spiels bekommt einen Preis.

Bei einem dieser Spiele lernt Lovis Jo kennen. Sie gewinnt den Preis und teilt -obwohl es verboten ist- heimlich ihr erspieltes Essen mit Lovis. Die beiden werden Freunde und hegen Zweifel an dem System, das die Menschen in die Knie zwingt.

Die beiden sind recht sympathisch und sind gut aufeinander abgestimmt. Leider fehlt mir ein wenig mehr Einsicht in die Gefühlswelt der Protagonisten, da es bestimmt interessant gewesen wäre zu erkunden, wie sich die einzelnen Spiele und auch der Zusammenhalt von Jo und Lovis zueinander auf ihre Psyche ausgewirkt hätte.

Die Handlung von „Casting“ ist stark aufgebaut auf Themen, die auch Leser ab 10 Jahren interessieren und bewegen. Konkurrenzdenken und Freundschaft in einer Welt zu erleben, die stetig von einem verlangt der Beste zu sein und dabei sich selber und andere zu hinterfragen klingt zwar nicht kindlich, ist aber bei dem Leistungsdruck dem schon die Jüngsten unterliegen Alltag.
Hier finde ich hat Yvonne Richter tolles geleistet. Sie arbeitet die Themen so auf, das sie für junge Leser zu einem Mehrwert führen und ihnen zeigen, das sie auch gegebene Systeme hinterfragen sollen, wenn es sich für sie nicht richtig anfühlt.
Ältere Leser können sich hier aber auch angesprochen fühlen. Denn auch wenn das Thema „Casting“ in diese dystopische Atmosphäre projiziert ist fragt man sich, was der ganze Casting-Wahn aus unserer Gesellschaft macht und was einige Menschen in Kauf nehmen um ihr kleines Stückchen vom Rampenlicht ab zu bekommen.

Auch sprachlich orientiert sich Richter ehr an den jüngeren Lesern. Zwar ist das Buch schön flüssig geschrieben, jedoch bleiben die Satzkonstrukte und die Wortwahl recht einfach. Für mich ist dies im Hinblick auf das empfohlene Lesealter allerdings kein negativ-Kriterium sondern nur erwähnenswert.



In „Casting“ sind aktuelle Themen in dystopischer Kulisse altersgerecht für junge Leser aufgearbeitet. Auch wenn ich mir hier und da ein wenig mehr Tiefe gewünscht hätte konnte mich die Autorin mit ihren Ideen überzeugen.  


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