Donnerstag, Februar 18

[Rezension] Der goldene Sohn von Shilpi Somaya Gowda

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Taschenbuch: 496 Seiten
Verlag: KiWi-Taschenbuch (7. Januar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462047744
ISBN-13: 978-3462047745





Anil wächst wohlbehütet im Kreis einer großen Familie in einem indischen Dorf auf. Als ältester Sohn soll er später die Rolle des Familienoberhaupts und Schiedsmanns einnehmen und Streitigkeiten in der Dorfgemeinschaft schlichten.
Leena ist seine beste Freundin. Ein mutiges Mädchen und draufgängerischer Wildfang, das seine Familie und die freie Natur über alles liebt. In ihrer Kindheit sind Anil und Leena ein unzertrennliches Gespann, doch dann führen ihre Wege in verschiedene Richtungen. Anil verlässt das Dorf, um Medizin zu studieren und in den USA als Arzt zu arbeiten. Er genießt sein neues Leben dort und verliebt sich Hals über Kopf in eine Amerikanerin. Leena bleibt in Indien, heiratet und zieht zu der Familie ihres Mannes.
Anils Leben gerät aus den Fugen: Ihm unterläuft ein schwerer medizinischer Fehler, seine Beziehung zerbricht und er stürzt in eine Krise. Bei einem Besuch in seiner Heimat trifft er Leena wieder, die Frau, die ihn besser kennt als jeder andere. Aber zwischen ihnen steht eine Entscheidung, die Jahre zuvor getroffen wurde.
Bewegend, mitreißend, klug – Shilpi Somaya Gowdas glänzend erzählter neuer Roman ist eine ergreifende Geschichte über Unabhängigkeit und Liebe.





Ohne im Vorfeld etwas über die Geschichte gehört zu haben hätte mich dieses Cover im Buchladen wohl nicht dazu gebracht mir „Der goldene Sohn“ näher anzuschauen. Abgebildet ist ein laufender Junge vor dem Meer, dazu beiger Hintergrund und um das Cover ein wenig auf Indien zu trimmen wurde am oberen und unteren Buchrand eine aufgedruckte Borte verwendet. Leider wird das Cover meiner Meinung nach der Geschichte nicht gerecht, denn die ist wirklich alles andere als unscheinbar. 





Mit „Der goldene Sohn“ hat Shilpi Somaya Gowda ein Buch geschrieben, das schonungslos, bewegend und tief traurig auf der einen Seite, interessant und sogar lehrreich auf der anderen Seite ist.

Als Leser erfährt man eine Menge über Indien und die kulturellen Unterschiede, zu unserer Lebensweise. Frauen scheinen dort nichts wert zu sein und haben lediglich durch die Höhe ihres Brautpreises die Möglichkeit an einen Ehemann zu kommen, der sie gut behandelt. So erkauft die Familie der Braut die Zukunft ihrer jeweiligen Tochter und die Grenzen zwischen Hochzeit und Sklavenhandel, die bei uns deutlicher nicht bestehen könnten verschwimmen zu einer einzigen, traurigen Gesamtsituation.

In genau dieser Situation befindet sich Leena. Die junge Frau, die grade das heiratsfähige Alter erreicht hatte und sich die Zukunft an der Seite eines Mannes ausmalt, den sie gar nicht kennt und der ihre Person anhand von Krankheitstagen, Näh- und Kochkünsten bewertete. Leena muss in der Familie ihres Mannes schlimmes durchleben, lebt und dient wie eine Sklavin.

Anil, der zweite Hauptcharakter zeigt dem Leser die Möglichkeiten der anderen Seite der indischen Gesellschaft auf. Als Mann geboren hat er viele Möglichkeiten sein Leben zu gestalten und er entschließt sich nach Amerika zu gehen um dort als Assistenzarzt zu arbeiten. Obwohl sein Schicksal weitaus besser aussieht als Leena´s hat auch er es nicht immer einfach.

Beide Leben haben immer wieder Berührungspunkte und man hofft beim Lesen immer wieder auf diesen einen magischen Moment, wo sich für beide das Leben zum Guten wendet.

Mich hat dieser Roman viele Gefühle durchleben lassen. Ich war wütend und aufgebracht, weil Leenas Leben von so vielen Ungerechtigkeiten gespickt ist. Gleichzeitig hat mich das aber auch darüber nachdenken lassen, wie glücklich ich eigentlich sein kann in einem Land aufgewachsen zu sein, wo es so eine kulturelle Struktur nicht gibt.

Dies alles verpackt in einen tollen Schreibstil, der einen immer dazu mitreißt weiter zu lesen, obwohl man bei der Dramatik des Themas das Buch gerne das ein oder andere Mal in die Ecke geschmissen hätte macht für mich ein gutes Buch aus.





Dieser Roman bringt wirklich viel mehr mit sich als das Cover vermuten lässt. Wenn eine Geschichte den Leser dazu animiert über sich und sein Leben nachzudenken, dann ist dies auf jeden Fall einen Blick wert.

„Der goldene Sohn“ ist kein Buch, das man schnell weg lesen kann. Es braucht Zeit und fordert meiner Meinung nach das der Leser mitdenkt. Wenn man sich aber einmal auf diesen Kulturbruch eingelassen hat oder gar genau das sucht, findet man hier eine tolle Story.




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