Samstag, August 19

[Rezension] Vermählung von Curtis Sittenfeld



Broschiert: 600 Seiten
Verlag: HarperCollins
Erscheinungstermin: 12. Juni 2017
ISBN-10: 3959671148




Mrs. Bennets Leben dreht sich nur um das Eine: Wie kann sie es bloß schaffen, dass ihre fünf Töchter endlich den Richtigen finden? Zumindest für Jane, die Älteste, gibt es Hoffnung: Chip Bingley, der attraktive Arzt, der noch vor kurzem als Bachelor in der Fernsehshow „Vermählung“ vergeblich nach der großen Liebe suchte, zieht in die Kleinstadt. Und gleich beim ersten Zusammentreffen knistert es zwischen Chip und Jane. Doch was ist mit Liz Bennet? Chips Freund, der ungehobelte Neurochirurg Fitzwilliam Darcy ist definitiv keine Option! Dennoch scheinen die beiden nicht voneinander lassen zu können. Und dann wären da ja noch die drei anderen hoffnungslosen Single-Töchter …
New York Times-Bestsellerautorin Curtis Sittenfeld gewann schon mit 17 einen Schreibwettbewerb. Während ihres Creative Writing-Studiums, schrieb sie Artikel für die Collegezeitung und kurz nach ihrem Abschluss ihren ersten Roman. "Vermählung", ihr fünftes Buch, eroberte sofort die amerikanischen Bestsellerlisten. Sittenfelds Romane wurden bereits in fünfundzwanzig Sprachen übersetzt.


Ich liebe das Cover zu Vermählung. Der türkise Hintergrund trifft absolut mein Lieblingsfarbspectrum und bietet eine tolle Grundlage für die pinken Rosen, die sich über den gesamten Einband ziehen. Mittig sieht man abgesetzt ein ovales Fenster, in dem -ganz retro- Autorenname, Titel und auch kleine Hinweise auf die Thematik zu finden sind. „Jane Austen neu erzählt“ und „Vermählung nach 'Stolz und Vorurteil'“ geben eine Tendenz des Buches vor.
Jane Austen fasziniert mich und ihre Romane gehören mit zu meinen Lieblingsbüchern. Das ich mir auch dieses Buch näher anschaue verwundert also nicht, zumal die wunderschöne Gestaltung des Einbandes meinen Blick so oder so auf sich gezogen hätte.

Sittenfeld hold die Charaktere in die heutige Zeit und gibt ihnen Modernität. Sie haben eine Vergangenheit, die in die Gegenwart passt, Jobs, die zeitgemäß sind und auch Hobbys, die authentisch wirken. Diese ganzen Anpassungen geschehen aber ohne den Grundcharakter der Person zu verwässern, was mir gut gefällt. So wird zum Beispiel das Alter der Bennet-Schwestern deutlich angehoben, denn heute würde keiner nachvollziehen können, warum die Mutter ihre Töchter mit 16 schon fast zu alt findet um auf dem Hochzeitsmarkt attraktiv zu sein.

Wer die Handlung von Stolz und Vorurteil kennt, erkennt sie auch in diesem Buch wider. Allerdings sollte man trotz der Parallelen zwischen diesen beiden Werken nicht vergessen, das zwischen ihnen gut 200 Jahre liegen. Was zu damaligen Zeiten ein bissiger Dialog war, büßt, wenn man ihn in die heutige Zeit überträgt einiges an Scharfsinn und Schärfe ein.

Auch war die titelgebende Fernsehshow zwar gut adaptiert, sagte mir aber als Pendant zur Brautschau in Austens Zeit nicht ganz zu.

Der Schreibstil ist angenehm und passt zum Buch. Er lässt sich locker weglesen, was zum einen der Seitenstärke des Buches als auch dem Gefühl, die Geschichte schon zu kennen, entgegenwirkt.

Im Vergleich mit Stolz und Vorurteil verliert Vermählung leider auf ganzer Linie. Zu speziell ist die Geschichte, die gekonnt von Austen in Szene gesetzt und erzählt wird. Für sich alleine ist Vermählung allerdings ein netter, moderner Frauenroman, der mich unterhalten hat.
Eine gute Adaption, die ich Liebhabern von Austens Werken allerdings ehr weniger empfehlen würde, da Vermählung unter dem andauernden Vergleich und der Erwartungshaltung nur verlieren kann. Ohne Vorkenntnisse oder ohne Vergleiche zu suchen kann man allerdings viel Freude an diesem Buch haben.


Freitag, August 18

[Hörbuch-Rezension] Aquila von Ursula Poznanski



MP3 CD
Verlag: der Hörverlag
Ungekürzte Lesung; 11h 53min
Erscheinungstermin: 14. August 2017
ISBN-10: 3844527052
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre





Als Nika an einem Sonntagmorgen ziemlich verkatert in den Badezimmerspiegel schaut, steht dort diese Nachricht. Wer hat sie an den Spiegel geschmiert? Und was hat sie zu bedeuten? Wo sind Nikas Hausschlüssel und ihr Handy? Wo ist Jenny, ihre Mitbewohnerin? Und warum ist ihr heute überhaupt so schlecht, sie hat doch gestern gar nicht viel getrunken? Erst durch die Morgennachrichten im Fernsehen erfährt Nika, dass heute gar nicht Sonntag ist, sondern Dienstag. Ihr fehlt die Erinnerung an zwei ganze Tage, in denen irgendetwas Schreckliches passiert sein muss. Aber was?

Autorin
Ursula Poznanski, 1968 in Wien geboren, arbeitet als Journalistin für eine Reihe medizinischer Fachzeitschriften. Seit 2003 veröffentlicht sie auch Kinderbücher. Für Die allerbeste Prinzessin erhielt sie den Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien 2005 und stand auf der Auswahlliste für den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis. Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien. Ihr Cyberthriller Erebos wurde von der Jugendjury mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 ausgezeichnet. Ende 2011 erschien ihr zweiter Jugendroman, der Thriller Saeculum.

Sprecherin
Laura Maire, geboren 1979 in München, absolvierte ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Bekannt wurde sie durch eine Hauptrolle in der ARD-Vorabendserie "Verdammt verliebt". Sie synchronisierte u. a. Brie Larson in "Raum" (2016 mit einem Oscar ausgezeichnet) und Ashley Greene (als Alice Cullen) in der "Twilight"-Reihe. Daneben war sie immer wieder in "How I Met Your Mother" zu hören. Maire erhielt 2011 den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin. 2014 las sie für den Hörverlag den Thriller "Schattengrund" von Elisabeth Herrmann und erhielt für ihr "virtuoses Sprach-Spiel" noch einmal den Deutschen Hörbuchpreis als Beste Interpretin.



Das Cover zu Aquila ist wieder einmal wirklich gut gelungen. Dominant sind Farben wie Gelb, Rot und Schwarz, wobei letztere die Silhouette eines Adlers bildet. In seinem Flügel befindet sich der in gelb gehaltene Titel und der Name der Sprecherin. Überhalb des Adlers befindet sich der Name der Autorin, der in einer sehr dekorativen Art eingerahmt wurde.
Ohne viel über den Inhalt des Hörbuches auszusagen ist dies ein Cover, das mir Lust auf die Geschichte macht.

In Aquila geht es um Nika. Eine junge Frau, die zum Studieren nach Italien gezogen ist und dort mit ihrer Mitbewohnerin Jenny eine Wohnung teilt. Nicht ungewöhnlich also, das die beiden öfter zum Feiern unterwegs sind. Doch als Nika eines Morgens aufwacht und sich nicht mehr an die letzten beiden Tage erinnern kann, zudem noch ihr Handy und Schlüssel fehlen scheint sich alles geändert zu haben. Und wo war eigentlich ihre Mitbewohnerin?

Zusammen mit Nika steigt man in die Geschichte ein. Das Mädchen wird grade erst wach und so erlebt man auch als Hörer genau mit, wie alles beginnt. Da sie zu dem Zeitpunkt nicht weiß, wie sie dort hin gekommen ist oder was zuletzt passiert ist, ist man auf dem selben Wissensstand wie die Protagonistin und so entsteht direkt zu Anfang eine gewisse Spannungshaltung.
Da aus der Sicht der jungen Frau erzählt wird, kann man ihre Zerstreutheit und ihre Gefühlssprünge hautnah miterleben und erfährt durch ihre Gedankengänge sehr viel über die Beziehung zu Jenny und anderen Charakteren.

Nika als Protagonistin hat mir mit kleinen Einschränkungen gut gefallen. Ich mag ihre Art, die Ruhelosigkeit, ihren Drang zu erfahren was passiert ist. Auch ihre Art, sich selber einmal zu überdenken finde ich klasse. Was mich ein wenig gestört hat, war ihre Skepsis. Es gibt ein paar Stellen, wo ich mich gefragt habe, warum sie da nicht mit offenen Karten gespielt hat. Dies ist allerdings ein kleiner Kritikpunkt.

Eine Liebesgeschichte spielt in Aquila nur eine untergeordnete Rolle, die eigentlich kaum der Rede wert ist. Für mein Empfinden ist das klasse. Eine ausufernde Liebesstory hätte die Spannung hier nur zerrissen und hätte die Protagonistin für mich weniger glaubhaft gemacht.

Durch das gesamte Buch zieht sich wieder Poznanskis grandioser Schreibstil. Sie schafft es einfach mich mit ihren Büchern von Anfang bis Ende in ihren Bann zu ziehen. So spannend und lebhaft wie sie erzählt, ist es immer wieder ein Erlebnis in einer ihrer Geschichten zu versinken.

Vor der Sprecherin kann ich nur den Hut ziehen. Es ist toll, wie sie der Geschichte Leben eingeflößt hat. Die Charaktere sind schon nach kurzer Zeit gut voneinander zu unterscheiden, ohne sich merkwürdig anzuhören und auch auf die Dauer des Hörbuches ist ihre Stimme sehr angenehm und ich habe ihr gerne zugehört.

Insgesamt kann ich nur jedem, dem Erebos oder Elanus schon gefallen hat dringlichst Aquila ans Herz legen. Und ebenso jedem anderen, der eine spannende, gut erzählte Geschichte sucht.
Es hat sich wieder einmal gezeigt, warum Ursula Poznanski eine meiner Lieblingsautorinnen ist. Für mich stimmt hier einfach alles. Angefangen von der Grundstory, über die Charaktere bis hin zur Sprecherin.


Montag, August 14

[Rezension] Amrita von Aditi Khorana



Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Dressler
Erscheinungstermin: 21. August 2017
ISBN-10: 3791500562
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre





Dein Schicksal ist ein Buch, das du selbst schreibst! Das Leben von Amrita, 16-jährige Prinzessin des Königreichs Shalingar, ändert sich auf einen Schlag, als der Despot Sikander Shalingar erobert. Gemeinsam mit der Sklavin und Seherin Thala gelingt Amrita die Flucht und beide machen sich auf den Weg, die »Bibliothek aller Dinge« zu finden, um das Schicksal der Welt zu ändern und schließlich zurück in die Vergangenheit zu reisen: an den Punkt, wo das Unheil begann. Doch was, wenn der einzige Weg, ihren Vater und ihr Land zu retten, bedeutet, dass Amrita sich selbst und ihre große Liebe opfern muss?
Opulent, außergewöhnlich atmosphärisch, erzählt in ungemein detailreicher, bildhafter Sprache: AMRITA ist literarische Fantasy mit starken, unabhängigen und klugen Heldinnen.


Aditi Khorana ist in Indien, Dänemark un ddne USA aufgewachsen und lebt heute in Los Angeles. Sie hat als Journalistin für verschiedene amerianische Fernsehsender gearbeitet und zuletzt große Hollywood Studios wie FOX, Paramount oder Sony beraten. Sie lebt in Los Angeles und verbringt ihre Freizeit beim Lesen, Wandern und Erkunden der Architektur von LA. „Amrita – Am Ende beginnt der Anfang“ ist ihr Debüt in Deutschland.



Manche Cover werden auf Fotos gar nicht richtig eingefangen. So geht es auch mit diesem. Die Muster und Farben, die schon auf Bildern wunderschön wirken, erstrahlen real noch einmal um einiges mehr. Mit einem tollen, metallischen Glanz sticht der Einschlag von Amrita richtig ins Auge. Aber auch wenn man den Schutzumschlag ablegt zeigt das Buch die selben wunderbaren Muster und Farben. Großartig gelungen.

Mit einer kaum steigerbaren Neugier habe ich mich in dieses Abenteuer gestürzt und die wurde auch gleich zu Beginn des Buches nicht enttäuscht. Die Autorin hat eine interessante und vielschichtige Welt geschaffen und versteht es diese mit einem wunderbar bildhaften und angenehmen Schreibstil zu beschreiben. Nicht nur durch die Charakternamen und Bezeichnungen entsteht persisches Flair, es wird eine Grundstimmung erzeugt, die zum träumen einläd und seine Leser in einen Hauch aus 1001 Nacht hüllt.

Namensgeberin des Buches ist die 16-jährige Protagonistin Amrita, deren Leben vorbestimmt zu sein scheint. Um den Frieden zwischen zwei Ländern zu bewahren soll die Prinzessin verheiratet werden. Doch als die Welt unterzugehen droht, flieht sie und lässt dabei Palast und ihre große Liebe zurück. Lediglich die Seherin Thala steht ihr zur Seite und unterstützt sie bei der Suche nach einer Möglichkeit die Vergangenheit zu ändern und so das Schicksal umzuschreiben.

Amrita ist eine starke und unabhängige Frau, die mit viel Verstand vorgeht und ihre Stärken auszuspielen weiß. Besonders im Zusammenspiel mit Thala mochte ich sie sehr gerne, da ihre Motive so noch ein bisschen besser zur Geltung kamen.

Positiv empfinde ich die Seitenstärke des Buches. Mit 320 Seiten wurde ein passender Rahmen geschaffen um diese Geschichte zu erzählen. Sie bleibt spannend und kurzweilig und man möchte am liebsten von Anfang bis Ende lesen ohne das Buch aus der Hand zu legen.

In sich geschlossen und ohne Auftakt einer Reihe zu sein lässt Amrita mich nicht mit Cliffhanger oder vielen offenen Fragen zurück.

Mit einer starken Protagonistin, einer traumhaften Welt und einer guten Geschichte hat mich Amrita von Anfang bis Ende gut unterhalten. Jeder mit Lust auf eine kurzweilige, magische Reise mit heldenhaftem Charakter hat, sollte sich Amrita einmal genauer anschauen.


[Rezension] Fangirl von Rainbow Rowell



Hardcover: 480 Seiten
Erscheinungsdatum: 24.07.2017
empfohlen ab 13 Jahren
Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-25799-3


Fanfiction – das ist Caths Welt. Bis sie das College-Leben und ihre erste große Liebe kennenlernt … Ein Roman von Bestsellerautorin Rainbow Rowell
Die Zwillinge Cath und Wren sind unzertrennlich, bis Wren beschließt, dass ihr Jungen und Partys wichtiger sind als das gemeinsame College-Zimmer. Ein harter Schlag für Cath, die sich immer weiter in ihre Traumwelt zurückzieht: Beim Lesen und Schreiben von Fanfiction lebt sie ihre Vorstellungen von Liebesbeziehungen aus. Mit Erfolg – Tausende Leser folgen ihr. Doch als Cath dann Nick und Levi näher kennenlernt, muss sie sich fragen, ob sie nicht langsam bereit ist, ihr Herz echten Menschen zu öffnen und über Erfahrungen zu schreiben, die größer sind als ihre Fantasien. Ein mitreißendes Jugendbuch von Bestsellerautorin Rainbow Rowell über die erste Liebe – in der Fantasie und im echten Leben.

Rainbow Rowell studierte Journalismus und arbeitete mehrere Jahre als Kolumnistin beim Omaha World-Herald. Mit ihrem ersten Jugendroman Eleanor & Park landete sie einen weltweiten Bestseller, gewann den Boston Globe Horn Book Award, den Printz Award und war für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen im Bundesstaat Nebraska. Sie schreibt Jugendliteratur und Romane für Erwachsene. Ihr Bestseller Eleanor & Park (2015) war ihr erster Jugendroman bei Hanser, im Herbst 2017 folgt das Jugendbuch Fangirl.



Im selben Stil, wie sich Eleanor & Park gehalten hat, zeigt sich das Cover von Fangirl. Schlicht, nicht überladen und doch sehr charakteristisch für das Buch. Man sieht ein auf dem Bett sitzendes Mädchen. Mit Laptop auf dem Schoß und Poster an der Wand hinter ihr zeigt es eine typische Szene, wie sie auch in vielen Jugendzimmern zu sehen sein könnte. Titel und Autorenname befinden sich am oberen Rand des Covers und lassen so den Fokus auf der Brünetten.


Eleanor & Park made me read this book. - Ja, das wäre wohl der passendste Satz überhaupt. Der Schreibstil und die Art Charaktere aufzubauen hat mich schon in Rowells Debüt von sich überzeugt und machte das Buch zu einem meiner Lieblingsbücher.

Auch in Fangirl zeigte sich schnell die angenehme Erzählart, welche direkt für ein Wohlfühlerlebnis sorgt. Ohne zu komplizierte Satzgebilde zu formen oder sich in Belanglosigkeiten zu verstricken erzählt Rowell die Geschichte von Cath, die mit ihrer Zwillingsschwester aufs College geht. Anders als ihre Schwester sind besonders diese ersten Tage mit Ängsten und Zweifeln verbunden, denn für Wren ist dies ein riesiges Abenteuer. Neue Leute, neue Umgebung, neue Freiheit und Unabhängigkeit von ihrem Zwilling wirken auf beide Mädchen anders.

Bei Cath lösen diese Ängste den Wunsch nach Beständigkeit aus und diese findet sie in den Fanfictions über Simon Snow, die sie schon länger erfolgreich schreibt. Cath verliert sich allerdings etwas darin und merkt lange nicht, wie sehr sich die Menschen um sie herum um sie bemühen.

Das die junge Frau Probleme hat mit Veränderungen klar zu kommen merkt man vor allem in dem Tempo in dem sich ihre Entwickelung zeigt. Was mir bei anderen Büchern etwas zu spät vorkommen würde, passt hier gut zum Charakter.

Cath´s Art gefällt mir sehr. Sie ist mir in einigen Punkten gar nicht so unähnlich, besonders was große Veränderungen angeht. Ich kann sie daher gut verstehen und finde sie sehr authentisch.

Auch über Simon Snow, ein Charakter aus einem ebenfalls kürzlich erschienenen Buch von Rainbow Rowell erfährt man viel. Zwischendurch schleichen sich immer wieder Szenen aus Simons Geschichte ein und unterbrechen so ein wenig den Fluss der Grundgeschichte. Dennoch entsteht ein Effekt, den ich so noch nie in einem Buch hatte: Ich habe unglaublich Lust auch das Buch über Snow zu lesen.

Fangirl ist ein tolles Buch zum Wohlfühlen. Mit Charakteren, die ehrlich, authentisch und vielschichtig sind und zeigen wie viel Wert die Autorin auf diesen Bereich gelegt hat. Die Story ist wunderbar und macht beim lesen einfach Spaß.

Auch wenn Eleanor & Park mein Lieblingsbuch der Autorin bleibt, muss sich Fangirl nicht dahinter verstecken. Die positiven Gemeinsamkeiten der beiden Bücher fallen auf und machen Lust auf weitere Bücher dieser tollen Autorin.


Donnerstag, August 10

[Rezension] Sturm über Windhaven von George R. R. Martin und Lisa Tuttle



Broschiert: 448 Seiten
Verlag: Penhaligon Verlag
Erscheinungstermin: 24. Juli 2017
ISBN-10: 3764531878



Windhaven – eine wunderschöne Wasserwelt, doch geplagt von gewaltigen Stürmen. Die Menschen leben verstreut auf vielen kleinen Inseln, und es ist fast unmöglich, Kontakt zueinander aufzunehmen. Dennoch – oder deswegen – ist auf Windhaven ein alter Traum wahr geworden: Menschen können fliegen. Doch die Flügel sind kostbar, und die Gilde der Flieger ist eine streng abgeschottete Elite. Trotzdem will sich Maris von Amberly ihren Traum vom Fliegen nicht nehmen lassen


George R. R. Martin
George Raymond Richard Martin wurde 1948 in New Jersey geboren. Sein Bestseller-Epos Das Lied von Eis und Feuer wurde als die vielfach ausgezeichnete Fernsehserie Game of Thrones verfilmt. George R.R. Martin wurde u. a. sechsmal der Hugo Award, zweimal der Nebula Award, dreimal der World Fantasy Award (u.a. für sein Lebenswerk und besondere Verdienste um die Fantasy) und dreimal der Locus Poll Award verliehen. 2013 errang er den ersten Platz beim Deutschen Phantastik Preis für den Besten Internationalen Roman. Er lebt heute mit seiner Frau in New Mexico.

Lisa Tuttle
Lisa Tuttle wurde1952 in den U.S.A. geboren, lebt aber schon seit über zwanzig Jahre in Großbritannien. Bekannt sind vor allem ihre Horror- und Science-Fiction-Romane, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde.
Tuttle veröffentlichte ihre erste Story in den 1970ern. Sturm über Windhaven war ihr erster Roman. Sie hat als Fernsehkritikerin und Journalistin gearbeitet und hat kreatives Schreiben unterrichtet. Ihre Kurzgeschichten wurden mehrfach international ausgezeichnet.



Auf den ersten Blick fast schon unscheinbar zeigt sich dieses Cover. Auf einem Hintergrund, der an Wolken erinnert sieht man mittig einen skelletierten Flügel. Darüber befinden sich in helleren, einfachen Lettern gehaltene Autorennamen und unter dem Flügel findet man den Buchtitel. Insgesamt wirkt es deutlich zurückhaltend, wobei doch die Neugier aufkeimt, zu wem dieser große Flügel wohl gehören mag.

Zugegeben, mich hat George R. R. Martin zu diesem Buch gezogen. Da ich „Das Lied von Eis und Feuer“ noch nicht gelesen habe wollte ich mich erst einmal mit einem „ungezwungenen“ Einzelband von dem Autor überzeugen lassen, bevor ich mich durch seine berühmten Werke lese.

Angekommen in Windhaven habe ich mich schnell wohl gefühlt. Die Welt wirkt gut durchdacht und wird schlüssig aufgebaut. Was mir sehr gefallen hat war das Augenmerk für Details. Man merkt wie gut sich der Autor in seine Welt gedacht haben muss, denn er schaffte es bei mir ein sehr plastisches Bild im Kopf aufkeimen zu lassen.

Die Geschichte, die in diese Welt gelegt wurde wirkt in sich auch schlüssig. Allerdings haben die wechselnden Erzähltempi es mir ein wenig schwer gemacht. Manchmal wird man förmlich mitgerissen und es geht rasant voran, da passiert etwas und man ist richtig im Lesefieber. Dann befindet man sich wenige Seiten weiter aber wieder im absoluten Gegenteil. Ist von melancholischer Stimmung umgeben, das Tempo wird gefühlt komplett raus genommen und es entstehen Längen.
Natürlich kann dies ein Stilmittel sein, das bewusst gewählt wurde, dennoch hat es mich gestört.

Auch die Protagonistin konnte mein Herz nicht komplett für sich gewinnen. Zwar lernt man sie in verschiedenen Altersstufen kennen und hat am Ende einen guten Eindruck von ihrem Leben, doch fehlt mir hier die liebevolle Detailausarbeitung, welche mir am Weltenentwurf so gefallen hat.

Eines hat dieses Buch jedoch geschafft. Obgleich mich meine Höhenangst fest am Boden hält, ich kann den Wunsch Fliegen zu wollen besser verstehen. Dieses Thema wurde in Sturm über Windhaven toll beleuchtet und gab der Geschichte so ein wenig mehr Leichtigkeit.

Für Fans des Autors ist dieses Buch bestimmt eine tolle Erweiterung ihrer Sammlung. Mich hat Sturm über Windhaven leider nicht komplett erreicht, jedoch gibt es mir einen Eindruck des Könnens George R. R. Martins, auf das ich in kommenden Büchern gespannt bin.


Donnerstag, August 3

[Rezension] Die Moortochter von Karen Dionne



Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
Erscheinungstermin: 24. Juli 2017
ISBN-10: 3442205352


Helena Pelletier lebt in Michigan auf der einsamen Upper Peninsula. Sie ist eine ausgezeichnete Fährtenleserin und Jägerin – Fähigkeiten, die sie als Kind von ihrem Vater gelernt hat, als sie in einer Blockhütte mitten im Moor lebten. Für Helena war ihr Vater immer ein Held – bis sie vor fünfzehn Jahren erfahren musste, dass er in Wahrheit ein gefährlicher Psychopath ist, der ihre Mutter entführt hatte. Helena hatte daraufhin für seine Festnahme gesorgt, und seit Jahren sitzt er nun im Hochsicherheitsgefängnis. Doch als Helena eines Tages in den Nachrichten hört, dass ein Gefangener von dort entkommen ist, weiß sie sofort, dass es ihr Vater ist und dass er sich im Moor versteckt. Nur Helena hat die Fähigkeiten, ihn aufzuspüren. Es wird eine brutale Jagd, denn er hat noch eine Rechnung mit ihr offen


Karen Dionne hat in jungen Jahren mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter ein alternatives Leben in einer Hütte auf der Upper Peninsula geführt. Ihre damaligen Erfahrungen in der Wildnis hat sie nun in ihren außergewöhnlichen Psychothriller "Die Moortochter" eingebracht. Heute lebt Karen Dionne mit ihrem Mann in einem Vorort von Detroit, wo sie an ihrem nächsten Psychothriller schreibt.



Mit dem Cover von Moortochter wird schon vor Aufschlagen des Buches eine passende Grundatmosphäre geschaffen. Man blickt, als würde man im Schilf im Wasser lauern, auf ein Haus, das einsam am Waldrand steht. Trotz des hellen Himmels wirkt das Bild recht düster. Die weiße Schrift des Titels fügt sich dennoch gut ins Gesamtbild ein.


Mit einer gewissen Neugier für die Moorlandschaft bin ich in dieses Buch eingestiegen. Der Klappentext versprach mir eine spannende Story und das schien sich schon auf der ersten Seite zu bewahrheiten.
Erzählt wird „Die Moortochter“ aus der Sicht der heute erwachsenen Helena, die geboren wurde, als ihr gewalttätiger Vater ihre Mutter gefangen hielt. Lange Jahre waren sie von anderen Menschen abgeschnitten worden, was aus dem Kind von damals eine Frau gemacht hat, welche die Wildnis wie ihre Westentasche kennt.
Schon zu Anfang erfährt man viel über Helena. Wie sie aufwuchs, wie Kleinigkeiten ihren Vater dazu brachten aus der Haut zu fahren und welche Verbindung sie zu dem Moor hat. Ihre Erzählungen und Gedankengänge in den Rückblenden sind derart detailliert, das man den Wind zwischen den Bäumen hört und das modernde Holz riecht.
Die Protagonistin ist trotz ihrer Kindheit vernarrt in ihren Vater. Immer wieder zeigt sich diese Zerrissenheit, die extrem gut dargestellt ist.
So gut wie mir Helena und ihr Handeln auch gefallen hat, so blass blieben andere Charaktere für mich. Hier hätte ich mir ein wenig mehr von der Detailverliebtheit gewünscht, die bei der Beschreibung der Landschaft zu Tage gekommen ist.

Die Rückblenden als solche haben mir gut gefallen. Sie zeichnen ein genaues Bild des Lebens in der Hütte und den Erlebnissen die Helena hatte. Leider bestimmen diese Rückblicke einen Großteil des Buches und wo es in diesen Eindrücken viel Spannung, Gewalt und Momente, an denen man als Leser nur den Atem anhalten konnte, gibt, fehlt es der Grundstory leider an eben diesen.
Der Spannungsbogen lässt sich durch die vielen Blicke in die Vergangenheit nicht aufrecht erhalten und sackt zum Teil deutlich ab. Zum Ende hin rappelt sich das zwar wieder etwas, dennoch hat man das Gefühl eine kleine Achterbahnfahrt hinter sich zu haben was diesen Punkt angeht.

Was den Schreibstil der Autorin angeht, bin ich vollkommen auf meine Kosten gekommen. Die Wortwahl ist einfach gehalten, so das man ohne zu stocken fix durch die Seiten kommt und sich so auch eine gewisse Dynamik aufbaut. Dennoch merkt man das mit viel Herz und Geschick erzählt wurde, denn Dionne hat es geschafft einen für mich angenehmen Mix aus Details und Lücke für eigene Interpretationen zu Papier zu bringen.

Ein Familiendrama in Thrillertypischer Atmosphäre. Wo vieles wunderbar gelungen ist, fehlte es mir doch etwas an der Spannung, die ich mir in einem Thriller wünsche. Dennoch eine solide Geschichte, die mir besonders durch die Beschreibungen der Moorlandschaft im Gedächtnis bleiben wird.