Mittwoch, Juni 21

[Rezension] Witz und Weisheten des Tyrion Lennister von George R. R. Martin



Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Penhaligon Verlag
Erscheinungstermin: 27. März 2017
ISBN-10: 3764531576



Tyrion Lennister, der wohl beliebteste und berühmteste Charakter aus George R.R. Martins Serie Das Lied von Eis und Feuer / Game of Thrones ist bekannt für seine spitze Zunge, seinen beißenden Sarkasmus und seinen gnadenlosen Spott. In diesem illustrierten Geschenkbuch wurden seine besten Sprüche zusammengetragen. Von der Macht der Worte über die Liebe bis zur Realpolitik – Tyrion Lennisters Weisheiten unterstützen in jeder Lebenslage.


George Raymond Richard Martin wurde 1948 in New Jersey geboren. Sein Bestseller-Epos Das Lied von Eis und Feuer wurde als die vielfach ausgezeichnete Fernsehserie Game of Thrones verfilmt. George R.R. Martin wurde u. a. sechsmal der Hugo Award, zweimal der Nebula Award, dreimal der World Fantasy Award (u.a. für sein Lebenswerk und besondere Verdienste um die Fantasy) und dreimal der Locus Poll Award verliehen. 2013 errang er den ersten Platz beim Deutschen Phantastik Preis für den Besten Internationalen Roman. Er lebt heute mit seiner Frau in New Mexico.



Passend zur Aufmachung der Romanreihe von Game of Thrones zeigt sich auch dieses Büchlein. Mittig sieht man Tyrion, der seinen Kopf aus einer im Boden liegenden Tür herausstreckt. Titel und Autorenname sind hier, wie auch auf den anderen Büchern recht groß gehalten und stechen sofort ins Auge.
Auch beim Lesen entdeckt man auf vielen Seiten Zeichnungen, die Tyrion in verschiedenen Lebenslagen zeigen und die Kapitel untermauern.


Gleich vorweg kann ich sagen, ich liebe Tyrion Lennister. Als mein absoluter Lieblingscharakter der Game of Thrones-Reihe schätze ich seine schlagfertige Art und seinen ganz besonderen Charme.
Das sich auch dieses Büchlein den Weg in mein Regal bahnen würde, war also nur eine Frage der Zeit.

Diese 160 Seiten sind eine Sammlung Sprüche, die Tyrion im Laufe der GOT-Zeit von sich gibt. Einige sind klug, schon fast weise, andere wiederum sind frech und wieder andere selbstironisch. Hier wird einfach besonderes Augenmerk auf die spitze Zunge des Charakters gelegt und dank der hübschen Illustrationen gekonnt in Szene gesetzt.

Geordnet sind diese Zitate nach verschiedenen Oberpunkten. So gibt Tyrion einiges über die Macht der Worte, das Menschsein, die Kunst des Lügens und elf weiteren Themen zum besten.

Hier findet sich zwar nichts, was ein eingefleischter GoT-Fan nicht schon einmal gehört oder gelesen hat, dennoch finde ich diese kleine Anekdoten-Sammlung äußerst erfrischend für zwischendurch und sie ist sicherlich für jeden Tyrion-Liebhaber ein tolles Geschenkbuch.



Das ist Tyrion, wie ihn seine Fans lieben: spitz-züngig und zu jeder Lebenslage einen Spruch auf den Lippen. Wer wie ich diesen Charakter liebt, sollte es sich nicht nehmen lassen einen Blick in die Leseprobe zu werfen um sich dieses Büchlein einmal genauer anzuschauen.



Sonntag, Juni 18

[Rezension] Sumerland 2: Prinz Zazamael von Johannes Ulbricht



Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Panini
Erscheinungstermin: 22. August 2016
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3833233702
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren


"Die Sumerland-Saga ist ein großer Lesegenuss, sie sei hiermit herzlich empfohlen"
Takis Würger in DER SPIEGEL

Serisada ist verschwunden, als das flüssige Silber ihr Stadtviertel überflossen hat. Damit gilt ihr Tod als hundertprozentig gewiss, denn das Silber ist der geheime Schrecken und das schmutzige Geheimnis hinter der glamourösen Fassade der Stadt. Das Silber wartet unten im Stadtkegel, um früher oder später alles aufzunehmen, was die Zivilisation von Waylhaghiri produziert. Prinz Zazamael ist seit jeher von Prinzessin Serisada besessen, weil nur sie für ihn ein gleichwertiges Gegenüber sein kann und keine Marionette – nur durch sie kann er den „wilden Wein“ erlangen und die große Fusion zur Verschmelzung von Traum und Realität herbeiführen. Die Nachricht vom Tod von Prinzessin Serisada führt dazu, dass er sich selbst und sein Königreich verkommen lässt. Serisada hat aber entgegen alle Wahrscheinlichkeit überlebt. Stockwerk für Stockwerk, Zivilisationsepoche für Zivilisationsepoche kämpft sie sich den Stadtkegel empor und schafft es schließlich, in Waylhaghiri eine Revolution auszulösen. Sie endet im Zweikampf mit Zazamael. Die Stadt geht in einer unkontrollierten großen Fusion unter und Sumerland und Waylhaghiri, Wirklichkeit und Traum, Natürlichkeit und Ästhetik verschmelzen zu einer untrennbaren Einheit. Beide Königskinder finden sich in einer menschenleeren Welt auf der anderen Seite des Silberspiegels wieder und entdecken dort, was aus all den Dingen und Leuten geworden ist, die im Lauf der Jahrhunderte in das flüssige Silber gestürzt sind. Die Entwicklungen in den beiden phantastischen Königreichen haben spürbare Auswirkungen auf unsere alltägliche Zivilisation, die ja nichts anderes als ein Zerrbild der dahinterliegenden eigentlichen Wirklichkeit ist. Ob spielende Kinderbanden in den Sommerferien oder eine vierzigjährige Single-Frau auf der Suche nach der einen großen Liebe – wir alle spüren die Wahrheit von Sumerland und Waylhaghiri tief in unserem Blut. Das Wissen um die dahinterliegende Wirklichkeit von Sumerland und Waylhaghiri liefert die Erklärung für Vieles in unserer Gesellschaft, das bei genauerer Betrachtung weniger selbstverständlich ist als eigentlich sogar ziemlich sonderbar.
Dr. Johannes Ulbricht, geb. 1970 in München, ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und Justiziar des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft. Vor der Sumerland-Duologie ist von ihm der Games-Roman „Der Spielemacher“ (CSW-Verlag, 2010) erschienen. Er lebt in Hamburg und verpasst kein Sisters-of-Mercy-Konzert.


Schon das Cover zum ersten Teil der Duologie hat mir gut gefallen und dieses steht ihm in keinster Weise nach. Auf dem Titelbild sieht man eine Art Markthalle die auf unterschiedlichen Ebenen aufgebaut ist und neben Verkaufsständen noch allerlei andere Dinge zum Erkunden bereit hält. Ein Cover, in dem man gerne mal ein paar Minuten versinken möchte und dennoch immer wieder etwas neues entdeckt.
Da der erste Band der Duologie mir gut gefallen hat habe ich direkt im Anschluss den zweiten Teil gelesen. Die Entscheidung war auch richtig, denn Prinz Zazamael schließt nahtlos an die Geschehnisse in Prinzessin Serisada an.
Da diese Rezension weder den ersten Band spoilern soll, noch zu viel von der Handlung verraten soll, verzichte ich auch aufgrund des umfassenden Klappentextes bewusst auf einen Umriss der Handlungen.

Wie in Sumerland 1 ist der Schreibstil von Johannes Ulbricht locker und die Wortwahl relativ einfach gewählt, so das auch hier Jugendliche ab 12 Jahren keine sprachlichen Probleme bekommen dürften. Jedoch machen viele Details und der komplexe Weltenaufbau Sumerland zu einer Duologie, die man nicht zwischen Tür und Angel lesen kann.

Bildgewaltige Ausführungen und Spannung haben mich gefesselt und mir genauso wie im ersten Band sehr gefallen. Der Autor bleibt seinem Stil treu und so gibt es auch in Prinz Zazamael wieder unterschiedliche Handlungsfelder und Perspektivenwechsel, viel Spannung und gefährliche Abenteuer in herrlicher Fantasy-Atmosphäre.

Die Charaktere bleiben authentisch und auf ihre eigene Art nahbar, so das man ihr Handeln nachvollziehen kann.

Sogar ein wenig besser als Sumerland 1 konnte mich dieser Band überzeugen. Insgesamt finde ich die Duologie sehr unterhaltsam und besonders für Jugendliche im Zusammenhang mit dem Online-Game sehr gelungen.  


[Rezension] Sumerland 1: Prinzessin Serisada von Johannes Ulbricht





Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Panini
Erscheinungstermin: 22. August 2016
Genre: Fantasy
ISBN-10: 3833233559
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 12 Jahren


Nur wenige Eingeweihte wissen, dass unsere Zivilisation nichts als eine kollektive Illusion ist, in der die Menschen gefangen gehalten werden. In Wahrheit tobt ein geheimer Krieg in der phantastischen Realität hinter der Scheinwelt unseres Alltags. Auf der einen Seite steht der babylonische Stadtkegel von Waylhaghiri, in dem alle Zivilisationsepochen der Menschheit übereinander geschichtet sind. Diese einzige Stadt auf der Welt lebt von der Perfektionierung der zivilisatorischen Ästhetik. Glamour, Moden und kalkulierte Manipulation sind bis in die Intimsphäre allgegenwärtig. In diesem System müssen die Bewohner ihren sozialen Status jeden Tag aufs Neue verteidigen. Auf der anderen Seite steht die umgebende Wildnis des Sumerlandes, in der Tiermenschen leben, die verspielt und kindlich, aber auch unberechenbar und grausam sind. Die jahrhundertealten, doch ewig kindlichen Herrscher beider Reiche, Prinz Zazamael und Prinzessin Serisada, kämpfen erbittert um die Vorherrschaft. Zazamael benötigt für die endgültige Dominanz seines Reiches – die in Form einer Emulsion von Traum und Wirklichkeit namens „große Fusion“ erfolgen soll – den „wilden Wein“ als rettendes Elixier. Auf der Suche nach dem „wilden Wein“ dringt er unter ständiger Bedrohung durch die sumerländischen Tiermenschen ins Herz von Serisadas Reich vor. Auf dieser Reise werden alle seine Gefährten einer nach dem anderen hingemeuchelt, wobei der Prinz das eigentliche Ziel des Attentäters zu sein scheint. Erst einen Schritt vor dem Ziel angekommen erkennt Zazamael, wer der Mörder ist. Währenddessen gelingt es Serisada, als Spionin in Waylhaghiri einzudringen. Dort hat sie die schwierige Aufgabe, sich in der Zivilisation zu behaupten, ohne enttarnt zu werden. Zunächst gelingt ihr eine beachtliche Karriere als Designerin, bis es zu einem der regelmäßigen Zusammenbrüche der ästhetischen Muster in Waylhaghiri kommt, wodurch – wie jedes Mal – ein Teil der Stadt untergeht, indem er von dem tödlichen Silber bedeckt wird. Leider ist es der Teil der Stadt, den Serisada designt hat und in dem sie lebt.

Dr. Johannes Ulbricht, geb. 1970 in München, ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und Justiziar des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft. Vor der Sumerland-Duologie ist von ihm der Games-Roman „Der Spielemacher“ (CSW-Verlag, 2010) erschienen. Er lebt in Hamburg und verpasst kein Sisters-of-Mercy-Konzert.



Das Titelbild zu Sumerland 1 finde ich sehr stimmungsvoll. Aus der Ferne blickt man auf eine Stadt, die ähnlich wie ein Turm einzelne Ebenen aufeinander gebaut hat. Rings herum sieht man im Hintergrund plattes Land und den blauen Himmel. Alles wirkt schon hier Fantasylastig und macht mir persönlich Lust auf den Inhalt des Buches.


Auf diese Duologie war ich sehr gespannt. Nicht nur das sich hier der Klappentext äußerst vielversprechend anhört, auch die Tatsache, das die Bücher auf einem Online Spiel beruhen fand ich toll. So könnte die Geschichte – sollte sie gefallen – noch über die Bücher hinaus begeistern.

Da der Klappentext schon einen guten Überblick über das Buch gibt, möchte ich hier bewusst auf eine Wiedergabe des Inhaltes verzichten, um nicht zu viel vorweg zu nehmen.

Ebenso vielschichtig wie der Klappentext ist auch das Buch selber aufgebaut. So findet sich der Leser zwischen drei wechselnden Welten wieder, deren Wechsel einen gelungenen Spannungsbogen kreieren, sobald man sich auf den häufigen Perspektivenabschlag eingestellt hat.
Drei Welten bringen ebenso eine Menge Charaktere mit sich. Das nicht auf jeden einzelnen von ihnen zur Gänze eingegangen werden kann ist verständlich, dennoch wurden die Hauptcharaktere und ihre jeweilige Situation gut ausgearbeitet und verständlich beschrieben. Sie handeln in ihrem Handlungsfeld nachvollziehbar und authentisch.

Der Schreibstil des Autors ist relativ einfach gehalten, gewinnt aber durch den Austausch von Perspektive, Welt und Erzählstil an Komplexität, was mir sehr gefallen hat. Man muss schon aufmerksam bleiben und hat dennoch nicht das Gefühl, der Autor bauscht hier unnötig auf.

Ich habe den ersten Teil der Sumerland-Duologie sehr genossen und bin schon gespannt auf den zweiten Teil, den ich direkt im Anschluss lesen werde.


Johannes Ulbricht hat mit Sumerland 1 einen soliden Auftakt geliefert, der mich mit komplexen Welten und spannenden Wechseln überzeugen und neugierig auf den zweiten Teil machen konnte.


Freitag, Juni 16

[Rezension] Murder Park von Jonas Winner



Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungstermin: 13. Juni 2017
Genre: Thriller
ISBN-10:3453421760



Zodiac Island vor der Ostküste der USA: ein beliebter Freizeitpark – bis dort ein Serienmörder drei junge Frauen auf bestialische Weise tötet. Der Täter Jeff Bohner wird schnell gefasst, der Park aber geschlossen. Die Schreie der Opfer scheinen vergessen zu sein. 20 Jahre später: Die Insel soll zur Heimat werden für den Murder Park – eine Vergnügungsstätte, die mit unseren Ängsten spielt. Paul Greenblatt wird zusammen mit elf weiteren Personen auf die Insel geladen. Und dann beginnen die Morde.

Ein Killer ist auf der Insel …keiner kann dem anderen trauen …die nächste Fähre kommt erst in drei Tagen …

Jonas Winner wurde in Berlin geboren, wuchs in Rom und den USA auf, arbeitete auf dem Bau, am Fließband und als Nachtportier, studierte und schloss mit einer Promotion über Spieltheorie ab. Er drehte Reportagen fürs Fernsehen und schrieb Drehbücher für ARD, ZDF, Sat.1 und RTL. Kritiker über sein Thriller-Debüt: "Davids letzter Film" (dtv): "Jonas Winner - eine echte Entdeckung auf dem deutschen Buchmarkt" (Ostthüringer Zeitung), "Ausdrückliche Leseempfehlung" (Focus), "Stilistisch klar und knapp, düster, erschreckend und faszinierend zugleich" (Rundschau Neumarkt).

In 2011/2 erscheint sein siebenteiliger Roman "Berlin Gothic" (monatelang kindle #1 Bestseller, über 120.000 verkaufte E-Books, Berichte in heute, WISO, FAZ, Zeit, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Basler Zeitung, Thüringer Allgemeine, taz, Deutsche Welle TV...), in 2012 "Der Architekt" (Droemer Knaur). Juni 2013: "Berlin Gothic" als Gesamtausgabe bei Knaur TB. Alles über Jonas Winner und das Berlin Gothic Universum auf jonaswinner.com, Twitter: @Jonas_Winner und Facebook Jonas-Winner.


Dieses im neativ abgedruckte Cover macht richtig Stimmung. Ganz in Schwarz- und Weißtönen gehalten wirkt es so deutlich düsterer als es in realer Farbgebung würde. Mit dem Wasser im Vordergrund, dahinter den Murder Park, von dem man deutlich Riesenrad und Achterbahn erkennen kann. Auffällig gelb sind dagegen Buchtitel und Autorenname. Für mich ein stimmiges Bild und eine gelungene Einladung in den Murder Park.


Murder Park... schon der Titel allein hat mich neugierig gemacht und der Klappentext hat meine Vorfreude auf das Buch nur noch gesteigert. Ein Park, der mit den Ängsten seiner Besucher spielt? Mal ehrlich, wer wie ich Lust auf einen spannenden Thriller hat, der wird von solchen Worten magisch angezogen. Das Problem dabei ist nur, das man seine Erwartungen an den Inhalt des Buches schon recht hoch ansetzt.

Kurzum: Dieser Park wird gebaut und um alles zu testen und die Gerüchteküche anzuheizen dürfen zwölf Singles in den Park und drei volle Tage dort verbringen. Diese zwölf Menschen sind einzeln ausgesucht und durch einen Psychiater befragt worden. Jeder bringt seine Erfahrungen, Ängste und ganz eigene Verbindung zur Thematik mit. Als die Morde beginnen, steigert sich auch die Besorgnis der Besucher. Ist eine weitere, unbekannte Person auf der Insel oder nutzt einer von Ihnen die Atmosphäre und Abgeschiedenheit des Parks um zu töten?

Absolut flüssig und von Anfang an spannend erzählt Jonas Winner von den Menschen und den Ereignissen. Dabei werden immer wieder die Mitschriften der vorangegangenen Gespräche zwischen dem Psychiater Sheldon Lazarus und den Testpersonen eingeworfen. Hier erfährt man viele wichtige und auch spannende Details über die einzelnen Charaktere und erwischt sich beim Lesen und Rätseln, wer die größten Ambitionen hat, sich als Mörder zu entpuppen.
Bis zum Schluss wird dieser jedoch geheim und somit der Spannungsbogen aufrecht gehalten, wobei Winner mich mit dem Twist am Ende doch noch einmal überraschen konnte.

Die Charaktere sind sehr unterschiedlich und werden, für den Umfang der Personen, gut beleuchtet und persönliche Einzelheiten ausgearbeitet. Die Darstellung der Menschen gefällt mir ganz gut, denn obwohl bei einem gut 400 Seiten starken Buch in dem auch noch eine Menge passiert nicht die Möglichkeit gegeben ist, jeden einzelnen Charakter bis ins kleinste zu beschreiben, schafft Jonas Winner es durch die eingeflochtenen Interviews einen umfassenden Eindruck jedes einzelnen zu hinterlassen.

Als Leser begleitet man in der fortlaufenden Handlung den Reporter Paul Greenblatt. Nachvollziehbar lernt man seine Gedankengänge und Handlungen kennen und empfindet beim lesen ebenfalls einen kleinen Schauer, wenn sich Schatten hinter ihm formieren und er bedrohlich wirkende Geräusche vernimmt.


Jonas Winner hat mir mit Murder Park genau das gegeben, was ich mir erhofft habe: Nervenkitzel und Spannung in einer -zumindest für mich- neuen Kulisse. Thriller-Freunden und Spannungsliebhabern kann ich nur wärmstens empfehlen sich dieses Buch einmal genauer anzuschauen und sich die Leseprobe durchzulesen.



Donnerstag, Juni 1

[Rezension] Todesdomina von Pamela Fuchs



Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: egoth Verlag
Erscheinungstermin: 27. April 2017
ISBN-10: 3903183016


Zuvor war sie eine unter vielen. Dann geriet Sexarbeiterin Pamela F. in die Schlagzeilen, als einer ihrer Kunden der Luststeigerung durch Atemreduktion hervorrufen wollte während des Spiels verstarb. Mit einem Schlag war für Herrin Emily alles anders: Nun ging es nicht mehr darum, sich in der Sex-Szene Wiens und Österreichs zu positionieren, sondern nach Möglichkeit dem Knast zu entgehen. Aufgrund außerordentlich mildernder Umstände und dank eines hervorragenden Anwalts, Dr. Martin Mahrer, fiel das Urteil mehr als annehmbar aus: zwei Jahre bedingte Haft. Pamela F. fiel ein Stein vom Herzen. Nun, gut ein halbes Jahr nach dem Gerichtsverfahren, das eine Zäsur im Leben der jungen, lebenslustigen Wienerin darstellt, legt die 29-Jährige ihre Biographie vor. Entstanden ist ein Buch, das den Leidensweg von Pamela F. beschreibt als Kind missbraucht vom Stief-Großvater, als Jugendliche vom ersten Freund.

Pamela Fuchs geriet im Jahr 2015 in die Schlagzeilen. Die Sexarbeiterin, die als Domina tätig war, hatte einem Kunden geholfen, Luststeigerung durch Atemreduktion hervorzurufen. Dabei war der Mann zu Tode gekommen. Fuchs wurde wegen „absichtlicher schwerer Körperverletzung mit Todesfolge" verurteilt. Dennoch blieb sie auf freiem Fuß.


Das Titelbild des Buches könnte passender nicht gewählt sein. Der Hintergrund ist dunkel gehalten und auf einem Ledersofa sitzt Autorin Pamela Fuchs. Gekleidet in weißer Bluse mit schwarzem Rock, einem strengen Pferdezopf, Brille und rotem Lippenstift fällt besonders ihr Accessoire, ein Rohrstock, besonders ins Auge. Davor steht sehr präsent der Titel des Buches in großen weißen Lettern. Ohne vulgär zu wirken, weiß der Betrachter des Covers, auch ohne den Titel zu lesen, mit welcher Thematik er in diesem Buch zu tun hat.

Neben dem Cover findet man immer wieder Zeichnungen und Fotos verschiedener Lebensabschnitte der Autorin, welche  die jeweiligen Situationen über die geschrieben wurde untermalen.


Dieses Buch hat mich von Anfang an auf eine Weise gefangen, wie ich sie nicht erwartet habe.
Pamela Fuchs ist Domina, verdient ihr Geld damit Männern sexuelle Wünsche zu erfüllen, die gewaltsam, schmerzhaft und erniedrigend sind.
Als ein Freier an sie herantritt und den Wunsch äußert sie solle eine Atemreduktion nach seinen Wünschen bei ihm durchführen, scheint auch dies keine ungewöhnliche Bitte im Leben einer Sexarbeiterin zu sein.

Doch dies Ereignis und seine Folgen ist nicht alles, was das Buch thematisiert. Durch Fuchs´Augen blickt man zurück auf ihre Kindheit, ihren Werdegang und auf Wendepunkte in ihrem Leben und bekommt ein Gespür für die Person hinter der Brille.

Was mir persönlich gut gefallen hat, ist das der Schreibstil von Pamela Fuchs recht trocken ist. Sie lässt zwar ihre Gefühle durchblitzen, macht sich und ihre Geschichte mit diesem Buch aber nicht zu einem bemitleidenswerten Opfer. Ganz im Gegenteil, sie spricht den Leser an und fragt zum Beispiel, wie sich ein Kind in so einer Situation fühlen sollte. Ganz ohne es zu merken versetzt man sich in der ein oder anderen Situation in sie hinein, hinterfragt und empfindet mit ihr.
Da es sich hier um eine Biographie handelt, möchte ich keine Bewertung darüber geben, ob ich den Spannungsbogen gelungen fand oder ob ich die Handlungen der Protagonistin nachvollziehbar war.
Dies nehme ich so wie es ist, denn an realen Gegebenheiten kann man nicht rütteln.

Was ich aber bewerten kann ist die Art und Weise, wie mit den Gegebenheiten umgegangen wurde. Bei der Thematik wäre es ein leichtes gewesen effekthaschend oder aufwühlend zu schreiben und eine weitaus aggressivere Wortwahl an den Tag zu legen. Das hier bewusst darauf verzichtet wurde und die Autorin so Platz zum Mitempfinden gibt, keinen Schuldigen sucht sondern einfach ihre Erlebnisse schildert fand ich sehr gelungen.
Hier wurde ein tragisches Ereignis geschildert, ohne es nach allen Mitteln der Kunst auszuschlachten und nach Schuld und Unschuld zu suchen.
Für mich eine gut zu lesende Biographie, die meiner Meinung nach mal wieder aufzeigt, das manchmal die Grenzen zwischen Schuld und Unschuld verschwimmen.


Montag, Mai 22

[Rezension] CanGu und die Kuchenkrümel von Audrey Harings




Taschenbuch: 204 Seiten
Verlag: AH Tales and Stories S.L.
29. März 2017
ISBN-10: 8494667327
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 - 12 Jahre



Die Jansens – das sind Mutter Jacqueline, Vater Jonas und die Söhne Jamie und Jason – sind eine „Großfamilie“ geworden: Die Hündin Coco hat drei kleine Welpen geboren! Doch es naht der Sommer und die Kinder möchten so gerne ans Meer! Da beschließen die Jansens, die Hunde in Pflegefamilien unterzubringen. Die kleine Gucci kommt auf einen Bauernhof und schließt gleich neue Freundschaften. Leider mag der Kater Canelo überhaupt nicht, dass er die Aufmerksamkeit seines Frauchens mit diesem kleinen Hund teilen soll. Er stellt Gucci eine verhängnisvolle Falle

Audrey Harings wurde als einziges Kind ihrer Eltern 1969 in Trier geboren. Schon mit 11 Jahren rezensierte sie Kinderbücher für das ZDF. Damals gab es bis zu 10 Mark für jedes besprochene Buch. Ihre Eltern waren Sänger und schrieben außerdem Schlagertexte, bei welchen Audrey sich schon damals einbrachte. Ihr Vater betreute das Kabelpilotprojekt Ludwigshafen und war Redakteur einer Fernsehsendung. Als Jugendliche schrieb sie Kurzgeschichten für die Schülerzeitung. Auch betreute sie Lesegruppen für ausländische Kinder. 2016 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „Sharj und das Wasser des Lebens“.

Sie lebt mit ihrem Mann, zwei Töchtern, zwei Katzen und zwei Hunden an der
südlichen Costa Blanca in Spanien.

Ihre Passion ist es Kinderbücher für Kinder zu schreiben und zwar nur für Kinder.


Die Aufmachung des Buches ist ganz süß gemacht. Auf blau-weißem Hintergrund sieht man die Hauptakteure dieser Geschichte. Einen kleinen, putzigen Hund und eine süße Katze, die sich ein wenig zu streiten scheinen. Hinter ihnen ist wie in einem Fenster oder einem Bild eine Wiese und strahlender Himmel zu sehen. Zusätzlich findet man in der oberen rechten Ecke einen Pfotenabdruck, als wäre ein Hund mit dreckigen Pfoten über das Buch gelaufen. 
Das Cover finde ich so ganz gelungen zur Geschichte, es hätte mich im Buchladen aber, ohne die Autorin bewusst wahrzunehmen, vermutlich nicht angesprochen.
Zusätzlich findet man auf einigen Seiten im Buch Zeichnungen von Situationen um die es grade geht, die ich wirklich hübsch finde. Zusammen mit den kleinen Abbildungen von Pfotenabdrücken und Tieren ist das Innere ansprechend gestaltet.



Vor Kurzem habe ich euch >>HIER<< schon Sharj und der Feuerkristall von Audrey Harings vorgestellt. Die Art wie sie die Welt beschrieben hat und sie mit Sharj, einer wunderbaren Heldin besiedelt hat, hat mir sehr gefallen. So sehr, das ich mir auch ein weiteres Buch dieser Autorin anschauen wollte.
In CanGu und die Kuchenkrümel nimmt Harings ihre jungen Leser mit in die Welt der Haustiere.
In eine Welt, in der die Hündin der Jansens drei kleine Welpen bekommt und trotz der Liebe für die Tiere der Wunsch nach Urlaub ansteht. Kurzum werden für diese Zeit Pflegefamilien gesucht und dem Familienurlaub am Meer steht nichts mehr im Wege.

Besonders im Mittelpunkt steht Gucci und ihr Besuch auf dem Bauernhof, wo das Zusammentreffen mit den anderen Tieren einige turbulente Situationen bereit hält.
Das Leben der Tiere wird in diesem Buch gespickt mit Themen, die Kinder auch aus ihrem eigenen Umfeld kennen können. Man begegnet freundlichen und unfreundlichen Personen, hat witzige und traurige Momente und manchmal entpuppt sich jemand, den man nicht auf Anhieb mag als Freund.
Für Kinder besonders schön ist, das die Tiere sprechen können. Sie können sich so viel mehr mit den einzelnen Charakteren identifizieren und auch die Emotionen der Tiere besser verstehen.

Harings scheut auch nicht davor Themen wie Tierschutz, Tierheimleben und auch Tod in diese Geschichte einzuflechten. Diese sind allerdings sehr behutsam und Kindgerecht aufgearbeitet.
Auch allgemeine Werte haben einen großen Stellenwert in CanGu und die Kuchenkrümel. So finden respektvoller Umgang, Vertrauen, Fürsorge sowie Hilfsbereitschaft ihren Platz und geben gute Ansätze, Kindern ein Gespür für diese Thematiken zu vermitteln.

Das der richtige Umgang mit Tieren sowohl Mensch als auch Tier Freude bereitet zeigt die Autorin mit viel Witz und Humor. Ihr Schreibstil sorgt für Spaß beim Lesen und Kennenlernen der einzelnen Charaktere, die sie mit viel Liebe beschrieben hat.

Tierliebe Kinder, die schon alleine lesen können oder sich noch gerne vorlesen lassen finden sicher in diesem Buch eine schöne, altersgerechte Geschichte, die neben Spaß und Spannung noch viel mehr bereit hält.

CanGu und die Kuchenkrümel ist wieder ein wunderbares Kinderbuch zum Vorlesen oder für ältere Kinder zum selber lesen, bei dem ich es schätze, das Kinder etwas für sich mitnehmen können und wichtige Werte vermittelt werden ohne belehrend zu wirken.